von Amely Reddemann (viamedica – Stiftung für eine gesunde Medizin)

Klimaschutz ist ein aktuell bewegendes Thema und auch bei den Beschäftigten in Pflegeeinrichtungen ein wichtiges Anliegen. Jetzt können die Beschäftigten zusammen mit ihren Einrichtungen aktiv für den Klimaschutz werden: Die Stiftung viamedica bietet Einrichtungen und Unternehmen im Gesundheitswesen mit dem vom Bundesumweltministerium geförderten Mitmachprojekt „Klimaretter – Lebensretter“ eine kostenlose Möglichkeit, die Beschäftigten in den Klimaschutzprozess einzubeziehen. Mit Erfolg – wie die Verleihung der Klimaretter-Awards im April zeigte.

Inzwischen sind in ganz Deutschland rund 60 Unternehmen aus allen Bereichen der Gesundheitsbranche mit über 2.200 Mitarbeitenden im Online-Tool unter www.klimaretter-lebensretter.de registriert. Auch viele Pflegeeinrichtungen sind bereits aktiv. Mit einfachen Aktionen – wie Treppe statt Aufzug, mit dem Fahrrad zur Arbeit oder klimafreundlich konsumieren – haben die im Gesundheitswesen beschäftigten „Lebensretter“ durch die Änderung ihres Nutzerverhaltens bereits rund 150.000 kg CO2 vermieden.

Klimaretter-Award: Klimaschutz als spielerischer Wettbewerb

Gemeinsam für eine gute Sache im Wettbewerb aktiv werden und sich mit Spaß gegenseitig motivieren, das können Beschäftigte im Klimaretter-Projekt. Wertschätzung erfuhren die bisher besten Beschäftigten, Teams und Einrichtungen für ihr gemeinsames Engagement bei der Verleihung der Klimaretter-Awards im April 2019. Neben dem Universitätsklinikum Erlangen, verlieh die Stiftung viamedica Auszeichnungen an die Universitätskliniken Freiburg und Dresden, das Städtische Klinikum Solingen, die Alten- und Pflegezentren des Main-Kinzig-Kreises, an Röchling Medical, das ViDia-Diakonissen-Krankenhaus Karlsruhe und das Agaplesion Diakonie-Krankenhaus Seehausen. „Wir gratulieren allen Preisträgern und Preisträgerinnen für ihren Einsatz beim CO2-Sparen, die zeigen, dass jeder und jede Einzelne einen Beitrag zum Klimaschutz leisten kann“, betonte Markus Loh, Projektleiter der Stiftung viamedica bei der Preisverleihung in Erlangen.

Einsparpotentiale im Pflegesektor nutzen

Angesichts des hohen Energiebedarfs in der Pflege ist das Einsparpotential enorm: „Pro Bewohner einer Alten- oder Pflegeeinrichtung rechnet man mit einem jährlichen Energieverbrauch, der so hoch ist, wie der eines Einfamilienhauses mit vier bis sechs Personen“ weiß Loh. „Besonders in den Bereichen Heizen, Beleuchtung sowie Ver- und Entsorgung gibt es ein hohes Einsparpotenzial, das in vielen Fällen ohne teure Investitionen genutzt werden kann.“ Das Klimaretter-Projekt bietet für Pflegeeinrichtungen effektive Möglichkeiten, Energiekosten zu senken und damit die sogenannten „Hotelkosten“ der Einrichtung niedrig zu halten. Rund zehn Prozent Energiekosten können durch Verhaltensänderungen eingespart werden. Wer weiß, wie viel Strom durch Standby verschwendet wird oder wie viel klimaschädliches Gas durch falsches Heizen entsteht, wird künftig eher richtig abschalten und damit der Einrichtung Kosten sparen.

 

Startschuss für die Aktion Klimaretter-Lebensretter (von links): Ludmilla Knodel (Stadtteilzentrum Hanau), Alfred James (Projektteam), Mario Pizzala (Lebensbaum Sinntal und Seniorenzentrum Steinau), Susanne Simmler (Schirmherrin), Dieter Bien (Geschäftsführer), Ste-phan Hemberger (Wohnstift Hanau), Rainer Haselberger (Projektteam), Ute Severin (Seniorenzentrum Gründau) und Michael Mandt (Senioren-Dependancen im Ronneburger Hügelland). - Foto: Privat

Startschuss für die Aktion Klimaretter-Lebensretter (von links): Ludmilla Knodel (Stadtteilzentrum Hanau), Alfred James (Projektteam), Mario Pizzala (Lebensbaum Sinntal und Seniorenzentrum Steinau), Susanne Simmler (Schirmherrin), Dieter Bien (Geschäftsführer), Ste-phan Hemberger (Wohnstift Hanau), Rainer Haselberger (Projektteam), Ute Severin (Seniorenzentrum Gründau) und Michael Mandt (Senioren-Dependancen im Ronneburger Hügelland). – Foto: Privat

 

Gemeinsam Gutes tun

Die teilnehmenden Einrichtungen präsentieren sich positiv mit ihrem ökologischen Engagement für den Klimaschutz. Darüber hinaus bekommen die Beschäftigten die Möglichkeit, sich für das wichtige Thema gemeinsam zu engagieren. Damit entsteht eine aktive Dynamik, die zum Teambuilding beiträgt. Der Arbeitgeber kann die engagierten Beschäftigten wertschätzen und weiter motivieren. „Klimaretter werden wir nur gemeinsam“, bringt es Anja Hesse vom Sozialen Dienst des Sozialzentrums der Arbeiterwohlfahrt Hadamar auf den Punkt. Auch das Büro für kirchliches Umweltmanagement (KirUM) begrüßt die Initiative der Stiftung viamedica, mit dem die Beschäftigten im Gesundheitswesen ihren ökologischen Fußabdruck reduzieren können.

Baustein für den Nachhaltigkeitsbericht oder Umwelterklärung

Das Engagement der Einrichtung lässt sich auch in Zertifizierungen (z.B. ISO 50.001 oder EMAS) und in einen Nachhaltigkeitsbericht einbinden: „Bei EMAS gehört die Personalbeteiligung einfach dazu. Mit unserem Projekt erhalten die Einrichtungen ein komplett ausgearbeitetes Klimaschutzprojekt, mit dem sie ihre Beschäftigten sensibilisieren können“, versichert Loh. So hat zum Beispiel die Diakonie Baden als erste Pflegeeinrichtung das Projekt in ihre Umwelterklärung mit integriert.

Aktiv werden für den Klimaschutz

Mitmachen bei den Klimarettern lohnt sich: Der Pflegebereich kann – trotz der vielen strukturellen Herausforderungen, die noch zu bewältigen sind – mit der Teilnahme an der bundesweiten Aktion einen starken Beitrag zum Klimaschutz leisten und zugleich die Beschäftigten mit einbinden. Die Stiftung viamedica möchte alle Pflegeeinrichtungen motivieren, sich am Wettbewerb zum besten Klimaretter Deutschlands zu beteiligen. Der Klimaretter-Award 2020 wird im April vergeben.

Weitere Informationen unter https://projekt.klimaretter-lebensretter.de.

 

Aktiv werden für den Klimaschutz: Beispiele aus der Praxis

Jede Einrichtung findet ihren eigenen Weg, ihre Beschäftigten zu mehr Klimaschutz am Arbeitsplatz zu motivieren – und das mit Erfolg, wie folgende Beispiele zeigen:

AWO Sozialzentrum Hadamar – klimafreundliches Mittagessen

Mit einem Gesprächskreis mit Bewohner*innen zum Thema Klimawandel startete der erste Klimaretter-Tag am 4. April beim AWO-Sozialzentrum Hadamar. Nach einer lebhaften Debatte konnten sich Bewohner*innen und Mitarbeiter*innen beim klimafreundlichen Mittagsmenü stärken und direkt einsehen, dass das vegetarische Schnitzel bei der CO2-Bilanz deutlich besser abschnitt als das Schweinegulasch. Für den besten Klimaretter-Vorschlag erhielten die Beschäftigten Preise. „Wir setzen auf Informationstransparenz und wollen zeigen was geht“, betonte Melanie Frey, Leiterin für soziale Betreuung in Hadamar.

Agaplesion: Klimaschutz als Konzernstrategie

Die Agaplesion gAG hat das Jahr 2018 zum Jahr der Nachhaltigkeit erklärt und das Klimaretter-Projekt als eine von vielen Maßnahmen in das Jahresprogramm eingebettet. Dr. Markus Horneber, Vorstandsvorsitzender AGAPLESION gAG, verwies auf die Vorteile der Aktion: „Mit unserer Teilnahme bei den Klimarettern motivieren wir unsere Mitarbeitenden, sich gemeinsam mit unserem Unternehmen und der gesamten Branche im Klimaschutz zu engagieren. Im Vordergrund steht für uns der gemeinschaftlich erlebte Erfolg, zusammen Energie und Ressourcen einzusparen.“ So stehen z. B. die Reduktion von CO2 und des Energieverbrauchs, das ökologische Gleichgewicht sowie klimafreundliche und nachhaltige Ernährung im Mittelpunkt.

Alten- und Pflegezentren des Main Kinzig Kreis

Zeichen setzen für den Klimaschutz im Arbeitsalltag – das ist das Motto der Alten- und Pflegeeinrichtungen im Main Kinzig Kreis, die mit dem Klimaretter-Award 2019 ausgezeichnet wurden. Der größte kommunale Anbieter im Bereich der stationären Altenpflege möchte zeigen, wie Nachhaltigkeit auch in der Pflege umgesetzt werden kann: In den zwölf Häusern sind über 1.000 Mitarbeiter beschäftigt, die sich mit der Nutzung des Klimaretter-Tools aktiv für den Klimaschutz einsetzen können. Für die Umsetzung des Klimaretter-Projekts haben die Pflegezentren eigens ein interdisziplinäres Projektteam gebildet. „Unser Engagement für das Klimaretter-Projekt soll unseren Bewohnern, Besuchern und Beschäftigten zeigen, dass in unseren Einrichtungen Klimaschutz und Schonung von Ressourcen aktiv vorangetrieben wird“, betont Geschäftsführer Dieter Bien.

 

Die anwesenden Preisträger*innen des Klimaretter-Awards 2019, verliehen auf der zentralen Veranstaltung im Universitätsklinikum Erlangen durch die Stiftung viamedica: u. a. Dr. Albrecht Bender, Kaufmännischer Direktor Universitätsklinikum Erlangen (8. v. l.), Diana Scholz, Agaplesion Diakonie-Krankenhaus Seehausen (1. v. l.), Harald Spatz, Leiter Marketing & Kommunikation Röchling Medical (3. v. l.), Susanne Lender-Cassens, Bürgermeisterin der Stadt Erlangen (5. v. l.), Ute Küppers, Umweltbeauftragte Städtisches Klinikum Solingen (6. v. l.), Alfred James und Rainer Haselberger, Alten- und Pflegezentren des Main-Kinzigkreises (4. v. l.) und weitere ausgezeichnete Be-schäftigte des Universitätsklinikums Erlangen mit dem Projektteam der Stiftung viamedica. - Foto: Michael Rabenstein / Universitätsklinikum Erlangen

Die anwesenden Preisträger*innen des Klimaretter-Awards 2019, verliehen auf der zentralen Veranstaltung im Universitätsklinikum Erlangen durch die Stiftung viamedica: u. a. Dr. Albrecht Bender, Kaufmännischer Direktor Universitätsklinikum Erlangen (8. v. l.), Diana Scholz, Agaplesion Diakonie-Krankenhaus Seehausen (1. v. l.), Harald Spatz, Leiter Marketing & Kommunikation Röchling Medical (3. v. l.), Susanne Lender-Cassens, Bürgermeisterin der Stadt Erlangen (5. v. l.), Ute Küppers, Umweltbeauftragte Städtisches Klinikum Solingen (6. v. l.), Alfred James und Rainer Haselberger, Alten- und Pflegezentren des Main-Kinzigkreises (4. v. l.) und weitere ausgezeichnete Be-schäftigte des Universitätsklinikums Erlangen mit dem Projektteam der Stiftung viamedica. – Foto: Michael Rabenstein / Universitätsklinikum Erlangen

Kurzinfo

Logo: Klimaretter - Lebensretter

Logo: Klimaretter – Lebensretter

Informationen zum Projekt „Klimaretter – Lebensretter“:

Die Nationale Klimaschutzinitiative des Bundesumweltministeriums fördert das für teilnehmende Betriebe kostenlose Projekt. Die Schirmherrschaft hat Prof. Dr. Frank Montgomery, Ehrenpräsident der Bundesärztekammer, übernommen. Weitere Informationen über das Projekt unter  https://projekt.klimaretter-lebensretter.de.

 Informationen zur Stiftung viamedica:

Die 2002 von Umweltpreisträger und Arzt Prof. Dr. med. Franz Daschner gegründete Stiftung mit Sitz in Freiburg arbeitet zu den Themen Umweltschutz und Nachhaltigkeit im Gesundheitswesen. Weitere Informationen unter www.viamedica.de.

Der Artikel ist in der Ausgabe 02/2019 zu finden.

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