Die Anforderungen an professionelle Berufsbekleidung sind stetig im Wandel. Aktuell rücken vielfältige Passformen und stretchige Gewebe besonders in den Fokus.
Das Pflegewesen ist eine der Branchen mit dem höchsten Fachkräftebedarf in Deutschland. So prognostiziert der aktuelle Bericht „Arbeitsmarktsituation im Pflegebereich“ der Bundesagentur für Arbeit von Mai 2025, dass der Bedarf an Pflegekräften im Vergleich zum Vor-Corona-Jahr 2019 „voraussichtlich um ein Drittel auf 2,15 Millionen im Jahr 2049 steigen wird“. Die Arbeitgeber müssen reagieren und sich im Wettstreit um die begehrten Fachkräfte positionieren. Längst haben die Einrichtungen erkannt, dass professionelle Berufsbekleidung dabei ein wichtiger Faktor ist, um Menschen für sich zu gewinnen.
„Wer seinen Angestellten bequeme und hochwertige Kleidung zur Verfügung stellt und ihnen dadurch Respekt und Wertschätzung erweist, ist klar im Vorteil im harten Werben um die Fachkräfte“, sagt Expertin Kathleen Kramer, die beim Kölner Berufsbekleidungsspezialisten BP – Bierbaum-Proenen arbeitet und regelmäßig in Pflegeheimen unterwegs ist.
„Es ist Vielfalt gefragt“
Doch was zeichnet professionelle Berufsbekleidung aus? Worauf kommt es den Trägerinnen und Trägern besonders an? Was ist den Einrichtungen wichtig? Die Anforderungen wandeln sich stetig, sie sind immer auch ein Spiegelbild der Gesellschaft und greifen soziale Entwicklungen auf. In diesem Zusammenhang spielt es eine große Rolle, dass die Pflegebranche sehr international ist, dass viele Fachkräfte aus dem Ausland stammen und das System ohne sie schon längst zusammengebrochen wäre. Wie ein Bericht der Bundesagentur für Arbeit zeigt, wird das Beschäftigungswachstum in der Pflege seit 2022 maßgeblich durch international rekrutierte Fach- und Arbeitskräfte getragen. Auch vor diesem Hintergrund hat die Vorstellung einer einheitlichen Körperform längst ausgedient. Hersteller von Berufsbekleidung stehen heute vor der Aufgabe, passgenaue Lösungen für eine große Vielfalt an Körperformen und Proportionen anzubieten. Diese Entwicklung wird durch gesellschaftliche Strömungen wie Body Positivity weiter gestärkt: Kleidung wird zunehmend als Ausdruck von Persönlichkeit und Selbstbewusstsein verstanden – unabhängig von Körperform oder Konfektionsgröße. „Es ist Vielfalt gefragt – und zwar auf allen Ebenen: bei den Größen, bei den Passformen und auch bei den Bekleidungsstücken“, berichtet Kathleen Kramer von ihren Erfahrungen aus der Praxis.
Casualisierung heißt der Trend, dass die Menschen auch bei der Arbeit gerne die Kleidungsstücke tragen möchten, die sie in der Freizeit bevorzugen. Neben den klassischen Kasacks, Kitteln und Hosen halten daher auch T-Shirts, Poloshirts, Fleece- oder Softshelljacken Einzug in die Pflegeheime. Alle Kleidungsstücke müssen dabei aufeinander abgestimmt sein, denn die Trägerinnen und Träger möchten keine Einzellösung, sondern ein aufeinander abgestimmtes Gesamtsystem. Das gilt auch mit Blick auf die Farben. Hier liegen gerade moderne, frische Farben wie Kiwi, Pfirsich oder Himbeere im Trend, die die Klassiker wie Weiß und Nachtblau ergänzen. Weil Farben und Kleidungsstücke aufeinander abgestimmt sind, entsteht so ein System mit einer Vielfalt an Kombinationsmöglichkeiten.
Doch zurück zum Tragekomfort. Um dem Wunsch nach bequemer Kleidung gerecht zu werden, müssen die verwendeten Materialien sehr leicht und angenehm zu tragen sein. So sorgen moderne Stretchgewebe dafür, dass die Stoffe immer fließend den Bewegungen des Körpers folgen. Nichts zwickt und zwackt, die Kleidung sitzt jederzeit bequem. Zum Tragekomfort trägt auch die Leichtigkeit der Gewebe bei – ein Punkt, der vor allem durch die warme Arbeitsumgebung in Pflegeheimen und durch die immer heißeren Sommer stetig an Bedeutung gewinnt.
Mit Blick auf die Materialien ist TencelTM aktuell sehr gefragt. So lautet der Markenname des Herstellers Lenzing AG für Lyocell-Fasern. Diese Fasern werden aus Holz gefertigt, das aus verantwortungsvoll bewirtschafteten Wäldern und Plantagen stammt und durch ressourceneffiziente Produktionsmethoden verarbeitet wird. Der Prozess gilt als besonders nachhaltig. Zudem ist der Wasserverbrauch ungefähr 20 Mal niedriger als bei der Verarbeitung von Baumwolle.
Das Tragegefühl der Fasern ist sehr angenehm. Die Stoffe sind von Natur aus leicht, weich und anschmiegsam. Sie trocknen schnell, sind atmungsaktiv und wirken kühlend. TencelTM bringt auch Wäschereien und dem Textilservice große Vorteile. Denn: Der Trocknungsprozess ist bei geringeren Temperaturen möglich als bei Kleidung aus herkömmlichen Fasern. Die Wäschereien sparen demnach Energiekosten – das ist ein großer Vorteil in einem kostensensiblen Sektor.
Dieser Artikel ist in der Ausgabe 01/2026 erschienen.






