Der demografische Wandel der Gesellschaft führt zu einer steigenden organisatorischen und finanziellen Herausforderung im Gesundheitswesen. Für DienstleisterInnen sowie Gesundheitsexpertinnen und -experten stellt sich die Frage, wie höhere Effizienz bei gleichbleibender Qualität von Behandlungs- und Versorgungsmethoden gewährleistet werden kann.

Gleichzeitig steigt die Nachfrage nach betreutem Wohnen in Kombination mit Pflegediensten, psychosozialen und präventiven Gesundheitsdiensten, dem einfachen und autonomen (Online-)Bezug von regionalen Produkten und Dienstleistungen sowie nach stationärer Pflege. Informations- und Kommunikationstechnologie bietet eine Reihe an Möglichkeiten und spielt im Pflege- und Gesundheitswesen eine immer größere Rolle.

Eine Kommunikationsplattform für Soziale Teilhabe

Digitalisierung verändert den Zugang zu immer mehr Dienstleistungen. Dies ist auch für ältere Menschen relevant, die auch ein Bedürfnis nach Kommunikation und Teilhabe in der digitalen Welt haben. Doch sie sind mit dem Bedienen von Geräten oft überfordert. Eine wesentliche Aufgabe der Forschung ist es daher, diese Technologien in ihrer Handhabung zu vereinfachen.

Die Fachhochschule St. Pölten entwickelt in einer Projekt­reihe eine einfach zu bedienende Kommunikationsplattform mittels Fernseher und Tablet für das Spielen mit Freunden, die Kommunikation mit Angehörigen, Online-Einkauf und digitale Behördengänge. Die Videoschaltung der Plattform ermöglicht es zudem Angehörigen neben dem direkten Kontakt auch online in Kommunikation zu bleiben und zusätzlich zum sprachlichen auch einen visuellen Eindruck zu erlangen, wie es den Personen geht.

Weitere Services der Plattform könnten Tele-Health- und Trainingsangebote sein. Durch computergestütztes aber immer von Menschen angeleitetes Training kann der Fernseher als Online‐Schnittstelle für körperliche Bewegung assistiv eingesetzt werden. Zudem könnten Aspekte der Gesundheitsförderung wie Fragen zu Pflege, Hygiene, Bewegung und Ernährung in Online‐Fragestunden erörtert werden.

Über die Online‐Anbindung könnten ältere Menschen nicht nur im betreuten Wohnen, sondern auch in stationärer Pflege ihre Behördengänge erledigen und verstärkt an Bürgerpartizipation teilnehmen. Dies inkludiert die Teilhabe an (halböffentlichen) Veranstaltungen über TV und Streaming, Informationsangebote und Rückfragemöglichkeiten, Online‐Sprechstunden zu Amtsgeschäften und Demokratieprozessen mit Gemeindevertreterinnen und -vertretern sowie die Beteiligung an Umfragen, Online‐Abstimmungen und Dorfinitiativen.

Digitale Innovation für Patienten und Gesundheitsexperten

An der FH St. Pölten werden intelligente Schuhsohlen entwickelt, die Fehlbelastungen beim Gehen hörbar machen und in der Rehabilitation eingesetzt werden können. (Foto: Anna Achleitner)

Die Fachhochschule St. Pölten hat in den letzten Jahren interdisziplinäre Forschung an der Schnittstelle von Gesundheit, Sozialem, Digitalisierung und IT-Sicherheit aufgebaut und bündelt seit kurzem die Expertisen im „St. Pölten Center for Digital Health Innovation“. Es soll Expertinnen und Experten als auch Patientinnen und Patienten nützliche Assistenzsysteme an die Hand geben und bei Bedarf an existierende Systeme, zum Beispiel in Krankenhäusern und Pflegeheimen, anknüpfen. Entwickelt und geforscht wird unter anderem in den Bereichen Virtual und Augmented Reality, Spracherkennung, Sensorik, künstlicher Intelligenz, Datenanalyse (Big Data), Datenvisualisierung, Predictive Medicine, Care Planning und Datensicherheit.

ForscherInnen entwickeln am Zentrum wie mit der Plattform Umbrello etwa neue digitale Lösungen für die Fürsorge und die Betreuung älterer Menschen, um diesen so lange wie möglich eine aktive und unabhängige Lebensführung zu ermöglichen. Sie entwickeln intelligente Schuhsohlen, die Fehlbelastungen beim Gehen hörbar machen und in der Rehabilitation eingesetzt werden können, und verbessern die Analyse und Visualisierung von Gesundheitsdaten, um Therapeutinnen und Therapeuten in ihrer Diagnoseerstellung zu unterstützen. Querschnittsthemen sind die soziale Akzeptanz der Innovationen sowie der sichere Umgang mit personenbezogenen Daten.

Auch Studierende des Studiengangs Digital Healthcare und weiterer Studiengänge entwickeln Lösungen für das digitale Gesundheitswesen.

Medientechnik und digitale Technologien begegnen Patientinnen und Patienten sowie Expertinnen und Experten in Gesundheits- und Sozialberufen schon heute in vielen Bereichen: z. B. bei der E-Card und elektronischen Gesundheitsakte, bei EKG und Blutzuckermessung. Die Frage ist, wie man Technologie in Zukunft kontinuierlich im Gesundheitswesen einbinden kann. Zentral ist, wie die Technologie das Leben der Menschen unterstützt, ohne es negativ zu beeinflussen.

Fachhochschule St. Pölten (Foto: Katarina Balgavy)

Mit unseren Aktivitäten im Bereich Digital Healthcare an der FH St. Pölten wollen wir neue innovative technologische Lösungen liefern und die Schnittstellen zur Technologie vereinfachen.

Wie schnell sich Technologie ändern kann, sieht man an den letzten Jahren: Wer hätte sich vor zwanzig Jahren vorstellen können, dass wir durch Smartphones alle mit einem mit Sensoren ausgestatteten Computer in der Hosentasche herumspazieren, der Schritte zählt und auf Spracheingabe reagiert? Smarte Assistenzsysteme werden auch im Digitalen Gesundheitswesen rasch Fuß fassen. Und Digital Healthcare sollte Patientinnen, Patienten und Gesundheitsprofessionen Assistenz bieten, die den Alltag erleichtert.

Kurzinfo

http://cdhi.fhstp.ac.at

FH-Prof. Jakob Doppler, MSc leitet an der Fachhochschule St. Pölten den Studiengang Digital Health­care, Mag. Petra Ganaus, MSc das Studium Gesundheits- und Krankenpflege, FH-Prof. Mag. Dr. Johannes Pflegerl das Ilse Arlt Institut für Soziale Inklusionsforschung und Mag. Dr. Jürgen Pripfl das Department Gesundheit sowie das Center for Digital Health Innovation (CDHI). Mag. Mark Hammer ist Fachverantwortlicher für Presse im FH-Service Marketing und Unternehmenskommunikation.

Der Artikel ist in der Ausgabe 01/2018 zu finden.

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