Demenzgruppe Herbstwind kooperiert mit Senioreneinrichtung

Die ehrenamtliche Demenzgruppe ist seit Anfang Juli einmal wöchentlich zu Gast in der Grünwalder Parkresidenz Helmine Held. Bewohner der stationären Einrichtung nehmen gemeinsam mit Senioren der Umgebung an dem offenen Betreuungsangebot teil.

Gabi Weeh ist seit der Gründung der Demenzgruppe vor fünf Jahren als Ehrenamtliche mit dabei. Nachdem die heute 80-Jährige eine massive Rückenverletzung dank ihres eisernen Willens überstanden hatte, suchte sie nach einer neuen Aufgabe. „Ich wollte helfen und dabei geistig gefordert sein.“ Über eine Bekannte bekam sie Kontakt zur Alzheimer Gesellschaft des Landkreises München e.V. und meldete sich für eine Demenzhelfer-Schulung an. Ohne ersichtliche körperliche Einschränkungen ist sie seither ehrenamtlich in der Gruppe engagiert und freut sich über ihr persönliches Anti-Demenz-Training. Heute sitzt sie an der Seite eines emeritierten Professors, der im gerontopsychiatrischen Bereich der Parkresidenz lebt. Sie motiviert und unterstützt ihn dabei, an den Aktivitäten teilzunehmen.

Motivationsimpuls abhängig vom Grad der Erkrankung

Im Speisesaal des neu renovierten Mittelbaus begrüßt das Herbstwind-Team rund zehn ältere Menschen. Gezielt verteilen sich die vier Demenzhelferinnen Marianne Lindner, Theresia Joher, Gabi Weeh und Helga Rostek im Sitzkreis, damit jeder Teilnehmer eine von ihnen zur Seite hat. Lindner erklärt: „Diese Sitzordnung ist wichtig, denn jeder der demenziell Erkrankten benötigt individuelle Ansprache und einen anderen Motivationsimpuls. Durch diese Wertschätzung und das Gefühl des Angenommenseins reduzieren sich Unruhe und Ängste.“ Die bunt gemischte Gruppe aus Bewohnern der Parkresidenz sowie aus Senioren der Umgebung zeigt dann auch je nach Grad ihrer Demenz unterschiedliche Reaktionen. Für das Anfangslied „Lustig ist das Zigeunerleben“ drücken ihnen die Ehrenamtlichen bunte Tücher in die Hand, die sie im Takt dazu schwenken sollen. Diejenigen mit einer leichten Ausprägung der Erkrankung stimmen begeistert in das Lied ein und schwingen eifrig die Chiffontücher oder schlagen mit Papprollen den Takt, während andere scheinbar teilnahmslos in ihren Rollstühlen verharren.

Erinnerungsarbeit öffnet Fenster

Erste Reaktionen kommen bei der Erinnerungsarbeit. In der Mitte ausgebreitet liegt ein Strandtuch mit diversen Urlaubsaccessoires wie Muscheln, Reiseführer und Sonnenbrille. Gefragt nach „Sehnsuchtsorten“ werden Erinnerungen an lange zurück liegende Urlaubserlebnisse wach. Vom Urlaub am Timmendorfer Strand bis in den Süden Spaniens reichen die Erzählungen. Direkt angesprochen auf ihre früheren Urlaubsorte, erzählt eine der scheinbar teilnahmslosen Seniorinnen plötzlich lebhaft vom Aufenthalt auf einem Kärntner Bauernhof. Bergwanderungen und Badenachmittage, gemeinsam mit Kindern und Ehemann, ziehen an ihrem geistigen Auge vorbei und lassen sie für einige Augenblicke aktiv am Gespräch teilnehmen. Es ist, als ob sich ein Fenster in ihrer starren Demenzfassade öffnet und einen Zugang in die Gegenwart ermöglicht. Bei der anschließenden Gymnastik und dem Sitzfußball beteiligt sie sich ebenfalls rege. Mit Spaß und Ehrgeiz schießen sich die Teilnehmer den Fußball zu. Ruhestandspfarrer Robert Berger, mit seinen 100 Jahren zwar der älteste, aber einer der agilsten Anwesenden, beeindruckt dabei mit seiner Schusskraft. An der Kaffeetafel erholen sich alle wieder von den körperlichen Aktivitäten. Pfarrer Berger verzichtet dabei auf den Kaffee – er bevorzugt sein Achterl Bier, bevor die Runde mit einem Abschiedslied sich bis nächsten Dienstag voneinander verabschiedet.

Gemeinsames Betreuungsangebot von Parkresidenz und Alzheimergesellschaft

Demenzhelferin Gabriele Weh (rechts)

Demenzhelferin Gabriele Weh (rechts) – Foto: Frau Habl

Seit Anfang Juli findet die Demenzgruppe wöchentlich in den Räumlichkeiten der Senioreneinrichtung der Schwesternschaft München vom Bayerischen Roten Kreuz e.V. statt. Die Kooperation zwischen der Alzheimer Gesellschaft des Landkreises München e.V. (AGLM) und der Parkresidenz Helmine Held kam zustande auf Initiative von Heimleitung Heidi Sogawe und der Nachbarschaftshilfe Grünwald. Die Demenzgruppen zählen zum Angebot der AGLM, die sich für Menschen mit Demenz im gesamten Landkreis München engagiert. Die Helfer der gemeinnützigen Organisation absolvieren eine 40-stündige Schulung, die Grundwissen über das Krankheitsbild Demenz vermittelt. Nach erfolgreichem Abschluss erhalten die Absolventen ein Zertifikat und können als Demenzhelfer Menschen mit Demenz zu Hause besuchen oder sich in Betreuungsgruppen einbringen. Die Ehrenamtlichen erhalten für ihr Engagement eine Aufwandsentschädigung. Die Kosten für die externen Teilnehmer sind gering und werden teilweise von der Pflegekasse übernommen, für die Bewohner der Parkresidenz ist es ein kostenfreies Serviceangebot.

Partner im Altenpflegehilfe-Netzwerk

Menschen im Anfangsstadium der Demenz haben häufig das Bedürfnis nach Austausch mit anderen Betroffenen. Im Fortgeschrittenenstadium geht es stärker um Betreuung sowie Entlastung der pflegenden Angehörigen. Die Alzheimergesellschaft reagiert mit ihren Demenzgruppen auf diese unterschiedlichen Bedürfnisse. Im Frühstadium liegt der Schwerpunkt darauf, sich mit der Krankheit auseinanderzusetzen und Tipps für den Alltag zu bekommen. Bei zunehmender Demenz verschiebt sich der Akzent von der gemeinsamen Freizeitgestaltung hin zu stadiengerechter Aktivierung und Betreuung. Meist jedoch gilt es für die Demenzhelfer vor Ort individuell auf die Bedürfnisse der unterschiedlichen Teilnehmer einzugehen. Für Heimleitung Sogawe ist die Demenzgruppe ein weiterer Baustein im kommunalen Altenpflegehilfe-Netzwerk. „Als stationäre Einrichtung sind wir ein wichtiger Partner in diesem Netzwerk. Die Demenzgruppe gibt pflegenden Angehörigen ein wenig Freiraum, um Kraft für ihre Aufgabe zu tanken. Vor allem aber fördert sie demenzkranke Menschen in einem sicheren und geborgenen Umfeld, das ihre Beeinträchtigungen akzeptiert. Und unseren Bewohnern bietet sie zusätzliche Abwechslung und soziale Kontakte.“

Die Parkresidenz Helmine Held, vormals Schwesternheim Grünwald, ist die Senioreneinrichtung der Schwesternschaft München vom BRK e.V. Einst als Heimat für pensionierte Rotkreuzschwestern konzipiert, bietet das Alten- und Pflegeheim inzwischen allen interessierten Senioren ein Zuhause. Ein moderner Erweiterungsbau ergänzt das einstmalige „Baumeisterhaus“ aus dem 17. Jahrhundert, das 2012 aufwendig renoviert und seniorengerecht umgestaltet wurde. Rund 140 Bewohner leben im Rüstigen-, Pflege- oder beschützenden Bereich und nutzen das umfassende Pflege- und Betreuungsangebot der Einrichtung.

Der Artikel ist in der Ausgabe 01/2018 zu finden.

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