von Saskia Wendt (KLUG – Deutsche Allianz Klimawandel und Gesundheit)
Mit 3000 hitzebedingten Todesfällen im Jahr 2024 stellt Hitze zunehmend das größte klimawandelbedingte Gesundheitsrisiko im Deutschland dar. Die Herausforderung zunehmender Hitzewellen trifft besonders Bewohnende in Pflegeeinrichtungen, die durch ihr Alter, mögliche Vorerkrankungen und Mobilitätseinschränkungen vulnerabel sind und sich oft nicht ausreichend selbst schützen können.
Die Temperaturregulation des Körpers bei Hitze, durch Wärmeabstrahlung und Schwitzen bedeutet eine Mehrbelastung des Körpers, insbesondere des Herz-Kreislauf-Systems (siehe Abbildung 1). Die Folgen von Hitze, insbesondere bei unzureichender Flüssigkeitszufuhr oder Mangelernährung, reichen von Kreislaufproblemen und Verwirrtheit über Nierenfunktionsstörungen bis hin zu lebensgefährlichem akutem Nierenversagen oder Hitzschlag.
Auch hier sind ältere Personen besonders gefährdet, da im Alter die Fähigkeit zur Temperaturregulation sowie das Durstgefühl abnehmen und viele Medikamente die Anpassungsfähigkeit vermindern. Die Sicherstellung einer ausreichenden Flüssigkeits- und Nährstoffzufuhr durch eine angepasste Verpflegung unterstützt den Körper effektiv bei der Anpassung an Hitze.
Praktische Empfehlungen für den Pflegealltag
- Die Trinkmenge im Blick behalten:
Der tägliche Flüssigkeitsbedarf liegt bei 30 – 40 ml pro Kilogramm Körpergewicht, Schweißverluste erhöhen den Bedarf. Bei Bewohnenden ohne krankheitsbedingte Flüssigkeitsrestriktionen kann die Urinfarbe eine einfache Orientierung bieten (siehe Abbildung 2). Auch die Kommunikation von Trinkzielen, Trinkprotokolle, das Bereitstellen von abwechslungsreichen Getränken sowie auffälligen Tassen und Gläsern an häufig frequentierten Orten, unterstützen die Bewohnenden bei der Erreichung des Flüssigkeitsbedarfs. Bei starkem Schweißverlust helfen klare Brühen, Saftschorlen (1 Teil Saft auf 2 – 3 Teile Wasser) oder selbstgemachte WHO-Trinklösungen[1], um Elektrolytverluste auszugleichen. - Obst und Gemüse als Wasserlieferanten nutzen:
Gurken, Tomaten, Melonen und Erdbeeren bestehen zu über 90 % aus Wasser und liefern gleichzeitig wichtige Vitamine und Mineralstoffe – eine ideale Ergänzung zur Mahlzeit oder für Zwischendurch. Fünf Handvoll Obst und Gemüse am Tag können bis zu 1/3 des täglichen Flüssigkeitsbedarfs liefern. - Hitzespeiseplan für den Sommer entwickeln:
Passen Sie den Speiseplan der Einrichtung für die Sommermonate an. Besonders Gemüse, Obst, fettarme Eiweißlieferanten wie Tofu, Hülsenfrüchte, Milchprodukte, heller Fisch und Geflügel sowie kleine Mengen Vollkorngetreide liefern Flüssigkeit und wichtige Nährstoffe, ohne die Verdauung zu überlasten. Kleine, flüssige Zwischenmahlzeiten wie Smoothies oder Joghurtdrinks erleichtern auch bei wenig Appetit eine ausreichende Energie- und Nährstoffzufuhr. Sprechen Sie ihre Verpflegungsverantwortlichen oder Caterer auf ein passendes Angebot an und entwickeln Sie gemeinsam Ideen. - Personal schulen:
Sensibilisieren Sie das Team für Warnsignale einer Dehydration oder Hitzeerschöpfung. Alle Bereiche – Pflege, Küche, Hauswirtschaft und Betreuung – sollten in den Hitzeschutz eingebunden sein und wissen, wie sie aktiv unterstützen können. Zum Beispiel durch Empfehlung gut geeigneter Mahlzeiten auf dem Speiseplan oder das aktive Anreichen von Getränken. - Medikationspläne proaktiv überprüfen:
Viele Medikamente wie Diuretika, Laxanzien oder Psychopharmaka erhöhen das Risiko für Dehydration und Appetitminderung. Die Medikation sollte durch die betreuenden Ärzte vor und während Hitzeperioden überprüft und gegebenenfalls angepasst werden. - Angehörige und Bewohnende einbeziehen:
Informieren Sie Bewohnende und Angehörige über die besonderen Bedürfnisse bei Hitze. So können sich alle bei Hitze unterstützen, z. B. indem sich gemeinsam zugeprostet und etwas getrunken wird oder Angehörige das Lieblingsobst mitbringen. - Maßnahmen Schritt für Schritt umsetzen:
Beginnen Sie mit einfachen Maßnahmen: Stellen Sie eine größere Getränkeauswahl bereit, führen Sie Trinkprotokolle für gefährdete Personen ein oder sprechen Sie mit der Küche über 2 – 3 neue Gerichte für den Sommerspeiseplan. Halten Sie fest, welche Maßnahmen gut funktionieren und wo Verbesserungsbedarf besteht. Nutzen Sie die Erfahrungen aus einem Sommer für den nächsten.
Die Praxis zeigt, wie Hitzeschutz in der stationären Pflege gelingt
Mit den Projekten HIGELA und KidZ – Köstlich in die Zukunft hat die AWO gemeinsam mit KLUG – der Deutschen Allianz Klimawandel und Gesundheit zwei Projekte für mehr Hitzeschutz und eine gesundheitsförderliche Verpflegung ins Leben gerufen.
Das bis Ende 2025 durchgeführte Projekt HIGELA, beinhaltete vor allem Präventivmaßnahmen und die Sensibilisierung der Mitarbeitenden und Bewohnenden für die Gefahren von Hitze. Alle Materialien für mehr Hitzeschutz in Pflegeeinrichtungen stehen unter https://awo.org/projekt/higela/ zur Verfügung.
Das KidZ-Projekt möchte eine gesunde und klimafreundliche Verpflegung in den Pflegeeinrichtungen der AWO fördern. Im Zentrum stehen Kochworkshops für rund 100 Verpflegungsverantwortliche aus den Pflegeeinrichtungen der AWO, um Wissen und Ideen rund um pflanzenbetonte Verpflegung zu vermitteln und den Austausch untereinander zu fördern. Im Rahmen des Projekts entstanden mehr als 30 Rezepte für die Früh-, Mittags- und Abendversorgung, die im Frühjahr 2026 auf der Projektseite der AWO veröffentlicht werden. Zusätzlich wurden Informationsmaterialien für Leitungskräfte, Pflegekräfte sowie Bewohnende und deren Angehörige entwickelt und sind online verfügbar: https://awo.org/artikel/neue-flyer-im-kidz-projekt/.
Fazit: Kleine Maßnahmen mit großer Wirkung
Die Verpflegung bietet einen wirksamen, praktikablen Ansatzpunkt, um Bewohnende während heißer Tage besser zu schützen. Eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr, leichte und wasserreiche Speisen auf Basis einer pflanzenbetonten Ernährung sowie organisatorische Anpassungen können Hitzefolgen verhindern und das Wohlbefinden steigern. Dank Projekten im Bereich Hitzeschutz und Klimafreundlichkeit von Pflegeeinrichtungen stehen bereits Materialien zur Information und Weiterbildung zur Verfügung.
[1] Rezept WHO-Trinklösung: 8 nicht gehäufte TL Zucker, ¾ TL Salz, ½ L Orangensaft, ½ L Mineralwasser mischen und in kleinen Schlucken langsam trinken
Dieser Artikel ist in der Ausgabe 01/2026 erschienen.








