von Dr. Ariane Förster (AOK Bayern – Die Gesundheitskasse)

Wir alle wissen, die Belastung der Pflegekräfte ist hoch. Um die Beschäftigten in ihrer täglichen Arbeit zu stärken und die Arbeitsbedingungen zu verbessern, unterstützt die AOK Bayern Einrichtungen mit ihrem Betrieblichen Gesundheitsmanagement (BGM). Wie die Mitarbeitenden genau profitieren, zeigt das Erfolgsbeispiel Elisabethenstiftung Lauingen (Donau).

„Die neue Geschäftsführung hatte ein ehrgeiziges Ziel: Innerhalb von drei Jahren sollte ein strukturiertes betriebliches Gesundheitsmanagement aufgebaut werden“, erinnert sich Dr. Ariane Förster, BGM-Referentin bei der AOK Bayern, die die Elisabethenstiftung Lauingen seit 2017 begleitet. Bis dahin gab es in der Einrichtung nur vereinzelt Gesundheitskurse. „Die Geschäftsführung war und ist Treiber in dem BGM-Prozess – das ist auch der Schlüssel zum Erfolg“, sagt Förster.

Gesundheit und Wohlbefinden der 250 Beschäftigten fördern

Pflegekräfte trainieren im Fitnessraum eines Pflegezentrums als Teil des Betrieblichen Gesundheitsmanagements.

Im Bewegungsraum etwas für die körperliche Fitness tun, alleine oder zusammen – Foto: Robert Mihic

Die Elisabethenstiftung Lauingen (Donau) ist ein Psychiatrie- und Pflegezentrum mit sozialtherapeutischem Wohn- und Pflegeheim sowie einer Kurzzeit- und Tagespflege. Aktuell werden rund 250 Bewohnende betreut. Außerdem ist ein ambulant betreutes Wohnen mit etwa 50 Bewohnenden angegliedert. Ihre Hauptaufgabe: Integration von Menschen mit physischen und psychischen Erkrankungen.

Rund 250 Beschäftigte arbeiten in der Elisabethenstiftung. Wie andere Einrichtungen bleibt auch sie vom demographischen Wandel nicht verschont: Bei Projektstart 2017 waren mehr als 70 % der Mitarbeitenden älter als 40 Jahre, nur 10 % jünger als 30. „Unser Ziel war, die Gesundheit und das Wohlbefinden der Beschäftigten nachhaltig zu erhalten und zu fördern“, sagt Tobias Dippner, BGF-Koordinator in der Elisabethenstiftung. „Gesundheit und Zufriedenheit am Arbeitsplatz verbessern das Arbeitsklima und steigern wiederum die Bindung an die Einrichtung“, ergänzt AOK-Expertin Förster. Davon profitieren auch Pflegende und ihre Angehörigen.

„BGM mit System“ bietet Hilfe zur Selbsthilfe

Unter dem Motto „BGM mit System – Gesundheit geht uns alle an“ legte die Einrichtung im November 2017 gemeinsam mit der AOK Bayern den Grundstein für ein erfolgreiches Betriebliches Gesundheitsmanagement. Zunächst wurden im kleinen Kreis mit der Mitarbeitervertretung und der Assistenz der Geschäftsführung Projektziele formuliert – etwa weniger Arbeitsbelastung für den einzelnen Mitarbeitenden, höhere Mitarbeitermotivation und bessere interne Kommunikation. Dabei habe sich schnell ein gemeinsames Verständnis von Gesundheitsförderung als wichtige Grundlage für das Steuerungsteam entwickelt, erinnert sich Förster. Die AOK-Expertin begleitete den Prozess als Beraterin – und steht auch heute noch bei Fragen bereit. „Mit ,BGM mit System‘ schaffen wir das Fundament, damit die Einrichtung ihren ganz individuellen Weg in der betrieblichen Gesundheitsförderung geht – also Hilfe zur Selbsthilfe.“

Gesundes Pausenkonzept stärkt Pflegekräfte

Infobanner zum Betrieblichen Gesundheitsmanagement einer Pflegeeinrichtung mit Fokus auf Prävention und Mitarbeitendengesundheit.

Foto: Elisabethenstiftung Lauingen (Donau)

Um die Beschäftigten frühzeitig in den Prozess einzubeziehen, unterstützte die AOK Bayern bei einer Mitarbeitenden-Befragung. Diese lieferte ein Stimmungsbild und gleichzeitig wurden konkrete Schmerzpunkte im Arbeitsalltag deutlich. So zeigte sich, dass aufgrund hoher Arbeitsbelastung oft kaum Zeit für eine Pause übrig blieb – und wenn, wird die Auszeit durch Fragen von Angehörigen und Kollegen unterbrochen.

Die Elisabethenstiftung entwickelte daher das Pausenkonzept „Abschalten und Entspannen – in der täglichen Pause sowie beim wöchentlichen Mitarbeiterfrühstück“ und gewann 2019 beim Wettbewerb der AOK Bayern „Mach mal Pause“ den ersten Preis. Das Erfolgsrezept: Für die Mitarbeitenden wurde ein großzügiger Rückzugsbereich geschaffen – bewusst abgetrennt vom Arbeitsplatz. Es gibt einen Raum „Entspannung“ mit Massagesessel und Liege, einen Raum „Fitness“ für Bewegungsübungen und einen Raum „Spaß“ mit Tischtennis und Dartscheibe. Hier können die Beschäftigten ungestört abschalten oder sich mit Kollegen austauschen. „Wenn die Pflegenden ihre Gesundheitskompetenz stärken und einen guten Umgang mit sich entwickeln, haben sie auch die notwendige Kraft für die Pflegebedürftigen“, erläutert Dippner. Wichtiger Bestandteil des Pausenkonzepts ist auch das wöchentliche Mitarbeiterfrühstück. „Die Geschäftsführung sitzt mit am Tisch und ist für alle ansprechbar“, so Dippner. So manches Problem aus dem Pflegealltag hat sich auf diese Weise schnell und unkompliziert lösen lassen.

Hierarchieübergreifende und wertschätzende Kommunikation – mit diesem Erfolgsmodell konnten auch im Arbeitsalltag der Hauswirtschaft psychische und körperliche Belastungen verringert werden. Dazu wurden im ersten Schritt Mitarbeitende in der Hauswirtschaft und auch die Führungskräfte separat befragt und beide Sichtweisen im respektvollen Miteinander thematisiert. Im zweiten Schritt entwickelte dann ein „Kümmerer“-Kreis aus Mitarbeitervertretung und Hauswirtschaftsleitung gemeinsam mit ausgewählten Mitarbeitenden konkrete Verbesserungsmaßnahmen. Dazu gehören etwa regelmäßige Rückenschule sowie Bewegungsübungen vor Team-Besprechungen.

Silber-Zertifizierung „BGM mit System“

Der gemeinsame Einsatz für Gesundheitsförderung und bessere Arbeitsbedingungen hat sich gelohnt: Die Elisabethenstiftung Lauingen konnte die Silber-Zertifizierung „BGM mit System“ erfolgreich abschließen. „Die Gesundheitsmaßnahmen werden von den Beschäftigten sehr positiv angenommen“, sagt Dippner. Auch die Geschäftsführung unterstütze weiter die BGM-Aktivitäten – keine Selbstverständlichkeit in der Branche. Sein Tipp für interessierte Einrichtungen: „Die Mitarbeitenden einbeziehen, um den konkreten Nutzen für sie spürbar zu machen.“

Mehr Pflegebedürftige, weniger Fachkräfte – die AOK Bayern ist sich der hohen Belastung der Pflegekräfte bewusst. Gute und gesunde Arbeitsbedingungen sind daher besonders wichtig, um die Pflegekräfte in ihrem Arbeitsalltag zu entlasten. Mit ihrem breiten Angebot im Betrieblichen Gesundheitsmanagement unterstützt die AOK Bayern Einrichtungen und Pflegekräfte – unkompliziert, kompetent und persönlich vor Ort.

Dieser Artikel ist in der Ausgabe 02/2025 erschienen.

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