von Ha Phuong Le-Fitzek (Kuratorium Deutsche Altershilfe, DKF)

Die Pflegebranche in Deutschland steht vor großen Herausforderungen. Der Fachkräftemangel wird sich in den kommenden Jahren weiter verstärken. Ohne die gezielte Anwerbung international ausgebildeter Pflegefachpersonen (iaP) lassen sich Versorgungslücken nicht schließen. Im Jahr 2024 wurden in Deutschland rund 22.400 Anträge auf Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse im Bereich Gesundheits- und Krankenpflege gestellt, was den seit Jahren anhaltenden Anstieg bestätigt. Demgegenüber prognostiziert der Deutsche Pflegerat, dass „bis 2034 rund 500.000 Pflegekräfte fehlen werden“. Diese Entwicklungen verdeutlichen, dass es nicht ausreicht, iaP zu gewinnen. Entscheidend ist vielmehr, Anerkennungsverfahren effizient zu gestalten und die Integration von iaP in den Arbeitsmarkt sowie in das neue Lebensumfeld zu fördern. Neben regulierten und fairen Anwerbebedingungen kommt dabei der nachhaltigen betrieblichen Integration eine zentrale Bedeutung zu. Genau hier setzt der Werkzeugkoffer Willkommenskultur & Integration (WW&I) des Deutschen Kompetenzzentrums für internationale Fachkräfte in den Gesundheits- und Pflegeberufen (DKF) an.

Das kostenfreie Online-Angebot unterstützt Pflege- und Gesundheitseinrichtungen dabei, ein betriebliches Integrationsmanagementkonzept (IMK) zu entwickeln. Mit fast 60.000 Aufrufen ist der WW&I damit der meistgenutzte Inhalt auf der DKF-Website und eine bewährte Orientierungshilfe für nachhaltige Integration. Er dient als Hilfestellung, die relevante Bereiche des betrieblichen Integrationsmanagements berücksichtigt und zugleich Aspekte einer diversitätsorientierten Organisationsentwicklung einbezieht. Dabei wird Integration als ganzheitlicher, wechselseitiger Prozess verstanden, der betriebliche, soziale und gesellschaftliche Dimensionen miteinander verbindet.

Betriebliche Integration als Managementaufgabe

Integrationsmaßnahmen sind ein zentraler Bestandteil der Organisationsentwicklung, da sie Menschen, Prozesse und Unternehmenskultur langfristig prägen. Nachhaltige Wirkung entsteht nur, wenn sie in bestehende Strukturen eingebettet sind und aktiv von allen Beteiligten unterstützt werden. Integration ist damit eine zentrale Führungsaufgabe, die zwar personelle, zeitliche und finanzielle Ressourcen erfordert, sich jedoch sowohl ethisch als auch wirtschaftlich auszahlt. Ein durchdachtes IMK stärkt Organisationsstrukturen von Pflege- und Gesundheitsunternehmen, reduziert Fluktuation, fördert die Teilhabe aller Mitarbeitenden und fungiert gleichzeitig als zentrales Informations- und Steuerungsinstrument. Es macht bereits im Anwerbeprozess transparent, welche Unterstützung neue Mitarbeitende erwarten können und signalisiert zudem Professionalität und Fairness. Darüber hinaus schafft ein IMK für Integrationsmanagende und Führungskräfte Klarheit über Abläufe, Aufgaben und Zuständigkeiten. Es stärkt die aktive Einbindung der Bestandsteams und unterstreicht den Stellenwert von Integration im Unternehmen. Transparente Prozesse und nachvollziehbare Kommunikationswege erleichtern zudem die Zusammenarbeit mit externen Akteuren wie Personalserviceagenturen und anderen Dienstleistenden, indem Schnittstellen und Verantwortlichkeiten definiert werden. So ermöglicht ein IMK ein effizientes Controlling von Maßnahmen und unterstützt die Entwicklung einer inklusiven und langfristig tragfähigen Organisationskultur.

Der WW&I als praktische Hilfestellung

Der WW&I unterstützt Pflege- und Gesundheitsunternehmen dabei, ein betriebliches IMK zu entwickeln, das eine faire Anwerbung sowie die nachhaltige Bindung iaP in den Mittelpunkt stellt. Er ist in 15 Anforderungsfelder gegliedert, die wichtige Aufgaben von Verwaltung, fachlicher und sozialer Integration bis hin zur Förderung gesellschaftlicher Teilhabe umfassen. Dazu zählen u. a. ein transparenter Recruitmentprozess, die Anpassung von Einarbeitungskonzepten, Patenschaften und Mentoring, Organisation von Anerkennungsprozessen, Sprachförderung, Teambuilding sowie Konfliktmanagement. Die Anforderungsfelder geben Anregungen für den Aufbau eines IMKs, ohne verpflichtende Vorgaben zu machen. Einrichtungen können somit ihr Konzept flexibel an Größe, Ressourcen und Bedarfe anpassen.
Orientierungsfragen, Checklisten und Handlungsempfehlungen helfen, den aktuellen Stand der Einrichtung zu reflektieren und passende Maßnahmen zu planen. Besonders hilfreich sind dabei die Beispiele guter Praxis: Sie geben authentische Einblicke und zeigen, wie bewährte Konzepte anderer Einrichtungen umgesetzt und weiterentwickelt werden können.

Des Weiteren bietet der WW&I Querverweise auf rechtliche Rahmenbedingungen, Verlinkungen zu weiterführenden Materialien und externe Unterstützungsangebote. Eine herunterladbare Arbeitshilfe erleichtert zudem die Planung eines betrieblichen IMKs, indem sie Ziele, Zeitpläne, Zuständigkeiten und Ergebnisse übersichtlich strukturiert und so Verbindlichkeit und Nachvollziehbarkeit für alle Beteiligten sicherstellt. Einrichtungen können die Anforderungsfelder und Orientierungsfragen nutzen, um ihre Abläufe und Unterstützungsbedarfe zu prüfen. Darauf aufbauend lassen sich die wichtigsten Handlungsfelder identifizieren und entsprechende Maßnahmen umsetzen. Die Einführung des betrieblichen IMKs kann Schritt für Schritt erfolgen und bei Bedarf angepasst werden. Dies hilft Einrichtungen dabei, eine herzliche sowie professionelle Willkommenskultur zu fördern.

Illustration des Werkzeugkoffers Willkommenskultur & Integration mit Maßnahmen zur nachhaltigen Integration internationaler Pflegefachpersonen.

Foto: gmm2000, PR Image Factory, Alexey Donenko, Robert Kneschke, leungchopan, fizkes,
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Den Werkzeugkoffer Willkommenskultur & Integration finden Sie derzeit unter www.dkf-kda.de/werkzeugkoffer-wi/.

Zukünftig wird der Werkzeugkoffer durch das Bundesministerium für Gesundheit in die redaktionelle Struktur der Website des Pflegenetzwerk Deutschland integriert. Die Inhalte werden dann unter www.pflegenetzwerk-deutschland.de abrufbar sein.

Dieser Artikel ist in der Ausgabe 01/2026 erschienen.

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