von Amely Reddemann

Online-Tool unterstützt das betriebliche Umwelt- und Energiemanagementsystem

In 2019 heißt es für viele Pflegeeinrichtungen erneut ein Energieaudit nach DIN 16247 zu beauftragen. Das Energieaudit ist für die meisten Einrichtungen und Unternehmen verpflichtend umzusetzen. Es wird vom Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) in Stichproben überprüft und muss alle vier Jahre durchgeführt werden. Die Etablierung eines Energiemanagementsystems ist für Einrichtungen jedoch eine umfassendere und nachhaltigere Lösung. Einen kostenlosen Baustein dazu bietet die Stiftung viamedica mit ihrem Projekt „Klimaretter-Lebensretter“.

Energieaudit als einmalige Momentaufnahme

Eine energetische Überprüfung nach DIN 16247 ist zwar ein wichtiges Instrument, um Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz festzustellen, ist aber höchstens die zweitbeste Lösung. Das Audit nach dieser Energieauditrichtlinie zeigt zwar einen groben Ist-Zustand, doch werden nach dem Audit keine Veränderungen gefordert. Es können Schwachstellen identifiziert und Einsparpotenziale erfasst werden, es besteht jedoch kein weiterer Handlungszwang. Somit steht diese alle vier Jahre durchzuführende Analyse nicht für eine Optimierung des Systems und somit auch nicht für Einsparungen im Bereich Energie. Die Verpflichtung zum Energieaudit für Unternehmen, die kein kleines oder mittleres Unternehmen sind, basiert auf der EU-Energieeffizienz-Richtlinie, die in der novellierten Fassung des Energiedienstleistungsgesetzes (EDL-G) in deutsches Recht überführt wurde.

Energieeffizienz kontinuierlich steigern mit System

Die Einführung eines Energie- oder Umweltmanagementsystems nach ISO 50.001, ISO 14.001 oder EMAS hingegen ist die nachhaltigere und wirtschaftlich sinnvollere Lösung. Ein Energieaudit kann dafür ein erster Schritt sein. Eine Zertifizierung in diesem Bereich verlangt nach kontinuierlichen Verbesserungen im Umgang mit Energie und Ressourcen. Mit diesem Schritt, der zugegeben einen gewissen Aufwand verlangt, wird die Situation im Bereich Energie kontinuierlich erfasst und die Energieeffizienz langfristig verbessert. Die systematische Herangehensweise ermöglicht es, Mängel anhand von Unregelmäßigkeiten direkt zu erkennen und sofort zu beseitigen. Dies kann den Komfort in einer Einrichtung steigern, Einsparungen an Energie und Ressourcen generieren und damit Kosten reduzieren. Zuschüsse des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi) machen die Umsetzung attraktiv und finanzierbar.

Klimaretter – Lebensretter: Die Beschäftigten für den Klimaschutz sensibilisieren

Der mühsame Weg einer Zertifizierung zahlt sich langfristig aus: Die Stiftung viamedica empfiehlt Pflegeeinrichtungen ein Energie- oder Umweltmanagementsystem einzuführen, damit effektiv Energiekosten eingespart und Ressourcen geschont werden. Mit ihrem Projekt „Klimaretter – Lebensretter“ bietet die unabhängige Stiftung von Hygieniker und Umweltpreisträger Prof. Dr. Franz Daschner den Unternehmen und Einrichtungen des Gesundheitswesens ein kostenloses Instrument, um die Beschäftigten mit in den Umweltprozess einzubeziehen und für den Klimaschutz zu sensibilisieren. Das Projekt lässt sich als Maßnahme für die Mitarbeitermotivation in betriebliche Zertifizierungen wie ISO 50.001, ISO 14.001 oder EMAS einbinden. Es wird vom Bundesumweltministerium im Rahmen der Nationalen Klimaschutzinitiative gefördert und ist kostenlos.

Richtig lüften, Verzicht auf Standby oder Treppe statt Aufzug: Das Klimaretter-Tool bietet verschiedene Mitmach-Aktionen, die die Beschäftigten des Gesundheitswesens zum CO2-Sparen anregen. (Grafik: Scholz & Volkmer)

Richtig lüften, Verzicht auf Standby oder Treppe statt Aufzug: Das Klimaretter-Tool bietet verschiedene Mitmach-Aktionen, die die Beschäftigten des Gesundheitswesens zum CO2-Sparen anregen. (Grafik: Scholz & Volkmer)

Das eigens für das Projekt konzipierte „Klimaretter-Tool“ (www.klimaretter-lebensretter.de), das seit Februar 2018 online ist, erleichtert den Pflegeeinrichtungen ihre Beschäftigten bei der Einführung eines Energie- oder Umweltmanagementsystems mit ins Boot zu holen. „Das Tool rechnet das Klimaschutzengagement der Beschäftigten in eingesparte CO2-Mengen um und macht bereits kleinste Einsparungen direkt sichtbar“, erklärt Daschner, Vorstandsvorsitzender der Stiftung viamedica. „Das motiviert und spornt an.“ Heizung herunterdrehen, klimafreundlich konsumieren oder Standby vermeiden – die zur Auswahl stehenden 22 Mitmachaktionen sind ohne finanziellen Aufwand umzusetzen und tangieren die Arbeitsabläufe der Beschäftigten nicht.

Viele Einrichtungen aus dem Pflegebereich haben die Vorteile des Projekts erkannt und bekennen sich bereits als „Klimaretter“: Mit gutem Beispiel voran gehen der christliche Gesundheitskonzern Agaplesion, die Alten- und Pflegezentren Main-Kinzig Kreis (APZ MKK), das AWO Sozialzentrum Hadamar und die Sozial-Holding der Stadt Mönchengladbach, die zeigen, wie Nachhaltigkeit auch in der Pflege umgesetzt werden kann. „Das Klimaretter-Projekt unterstützt unseren Anspruch an einen ökologischen Umgang mit Ressourcen und fördert die Motivation und Teamfähigkeit unserer Mitarbeitenden“, erklärt Dieter Bien, Geschäftsführer der Alten- und Pflegezentren des Main-Kinzig-Kreises, sein Engagement für das Projekt. Die Pflegekräfte der APZ MKK und die Beschäftigten bei Agaplesion können mit der Nutzung des Klimaretter-Tools aktiv für den Klimaschutz werden. Janine Hübner, Leiterin der Unternehmensentwicklung der Agaplesion gAG ist davon überzeugt, dass man als Konzern den Rahmen für ökologisches Handeln schaffen müsse. „Aber nur im Zusammenspiel mit den Mitarbeitenden können Umweltziele tatsächlich erfolgreich umgesetzt werden.“ Helmut Wallrafen, Geschäftsführer der Sozial-Holding der Stadt Mönchengladbach GmbH, die mit fast 900 Beschäftigten einer der größten Arbeitgeber im Stadtgebiet ist und neu am Klimaretter-Projekt teilnimmt, betont: „Ich könnte mir gut vorstellen, dass wir mit der Beteiligung am Klimaretter-Projekt auch einen Zertifizierungsprozess anstoßen können. Das Bewusstsein wird jetzt dafür geschaffen.“

Nur gemeinsam ist die Herausforderung hin zu einer energieeffizienten und nachhaltig wirtschaftenden Einrichtung zu erreichen. Ob Zertifizierung nach ISO oder EMAS – mit System und engagierten Beschäftigten wird sich der Erfolg eines Energiemanagements bald einstellen.

Es gibt unterschiedliche Energie- und Umweltmanagementsysteme, die hier kurz beschrieben werden:

ISO 50.001 als weltweit gültige Norm unterstützt Unternehmen, ein systematisches Energiemanagement aufzubauen. Seit 2011 gilt sie in Deutschland und ist nicht verpflichtend. In Deutschland ist eine Zertifizierung nach ISO 50.001 oder EMAS Voraussetzung für eine Entlastung von der Strom- und Energiesteuer oder einer Befreiung von der EEG-Zulage. Für energieintensive Unternehmen, zu der auch Kliniken und viele Pflegeeinrichtungen gehören, lohnt sich die Einführung eines Energiemanagementsystems daher besonders. Im neuen Investitionsprogramm „Energieeffizienz und Prozesswärme aus erneuerbaren Energien in der Wirtschaft“ des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi) können im Modul 3 „Mess-, Steuer- und Regelungstechnik, Sensorik und Energiemanagement-Software“ Zuschüsse beantragt werden. Bundesweit haben sich bis 2017 über 7.000 Unternehmen nach ISO 50.001 registriert.

Die internationale Norm ISO 14.001 ist seit 1996 eine weltweit anerkannte Grundlage für Umweltmanagementsysteme und legt Anforderungen fest, mit dem die Umweltleistung verbessert, rechtliche und sonstige Verpflichtungen erfüllt und Umweltziele erreicht werden können. Die zentralen Elemente der ISO 14.001 sind die Planung, Durchführung, Kontrolle und Verbesserung von Umweltzielen und entsprechenden Maßnahmen, Zuständigkeiten und Verfahrensweisen. Sie ist auf Organisationen jeder Art und Größe sowie auf unterschiedliche geografische, kulturelle, soziale oder ökologische Bedingungen anwendbar. In Deutschland sind derzeit rund 12.200 Unternehmen und Organisationen gemäß ISO 14001 zertifiziert.

Seit Mitte der 90er Jahre hat sich das europäische Umwelt-Audit-System EMAS (Eco Management and Audit Scheme) als effektives Instrument des Umweltmanagements in Industrie, Wirtschaft und Gewerbe bewährt. Es ergänzt die Umweltmanagementnorm ISO 14001 um mehr Transparenz und Rechtssicherheit und hat Schnittstellen zum Energiemanagement nach ISO 50.001. Die Grundlage des Systems bildet die „EG-Umwelt-Audit-Verordnung“ von 1993. Grundsätzlich basiert EMAS auf der Verpflichtung, über die Einhaltung der gesetzlichen Regelungen hinaus die eigene Umweltleistung kontinuierlich zu verbessern. Bestandsaufnahme, Programm und turnusmäßiger Soll-Ist-Vergleich gehören zu einem Regelkreislauf durch den dieser Prozess gewährleistet wird. In Deutschland sind derzeit über 2.200 Standorte nach EMAS registriert.

Der Grüne Gockel bzw. Grüne Hahn ist ein Umweltmanagementsystem für Kirchengemeinden, Verwaltungen, Tagungsstätten und Einrichtungen der Diakonie. Es wurde von der Evangelischen Landeskirche in Württemberg gemeinsam mit der Kontaktstelle für Umwelt und Entwicklung e.V. (KATE) entwickelt und ist besonders auf die Belange von Kirchengemeinden und Einrichtungen abgestimmt. Der Grüne Gockel basiert vielerorts auf ehrenamtlichen Strukturen, legt großen Wert auf Ressourcensparen, Bildungsarbeit und Umweltkommunikation sowie auf indirekte Umweltauswirkungen.

Quellen:

Informationen zum Projekt „Klimaretter – Lebensretter“:

Die Nationale Klimaschutzinitiative des Bundesumweltministeriums fördert das für teilnehmende Betriebe kostenlose Projekt. Die Schirmherrschaft hat Bundesärztekammerpräsident Prof. Dr. Montgomery übernommen. Weitere Informationen über das Projekt unter www.projekt.klimaretter-lebensretter.de.

Informationen zur Stiftung viamedica:

Die 2002 von Umweltpreisträger und Arzt Prof. Dr. med. Franz Daschner gegründete Stiftung mit Sitz in Freiburg arbeitet zu den Themen Umweltschutz und Nachhaltigkeit im Gesundheitswesen. Weitere Informationen unter www.viamedica.de.

Kurzinfo

Foto: viamedica

Foto: viamedica

Amely Reddemann

viamedica – Stiftung für eine gesunde Medizin

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