von Manfred Godek

Senioren- und Pflegeeinrichtungen sind offene Häuser. Bewohner können sich frei bewegen und Gäste empfangen, zugleich aber auch den Schutz genießen, der ihnen als vulnerable Personengruppe gebührt. Die technischen Möglichkeiten dafür überragen den Ist-Zustand bei Weitem.

Bei der Feuerwehr aufgeschaltete Brandmeldeanlagen, Alarmierungssysteme zur Warnung der Anwesenden sowie Rauch- und Wärmeabzugsanlagen gehören nach den Sonderbauverordnungen zum Pflichtprogramm. Ebenso Hausnotrufanlagen, Sprachalarmanlagen und Weglaufschutzsysteme. Dass Türen, Fenster und Räume vor Auf- und Einbruch geschützt werden müssen, ist zwar nicht gesetzlich vorgeschrieben, sollte aber eine Selbstverständlichkeit sein. Dass Täter aus einem Altenheim in Assamstadt (BW) dennoch unbemerkt einen ganzen Tresor „mitgehen“ lassen konnten, wertete die Polizei als besonders dreistes Stück. Diebstähle aus Bewohner- und Patientenzimmern am helllichten Tag gehören dagegen zum Alltag. Neben den Wertsachen von Bewohnern und Mitarbeitern haben Einbrecher auch technische Geräte und Arznei- oder Betäubungsmittel im Visier. Heime sind beliebte Angriffsziele.

Verantwortungsvolle Betreiber investieren in die Sicherheit. Aufgrund begrenzter Budgets hat das Thema allerdings nicht immer hohe Priorität. „Die Mittel haben vielerorts gerade einmal ausgereicht, um die gesetzlichen Anforderungen, etwa des Brandschutzes, zu erfüllen“, so Carl Becker-Christian, Geschäftsführer des BHE Bundesverband Sicherheitstechnik e. V. Selbst in Erdgeschossen fehlen mancherorts Tür- und Fensterkontakte, die bei unbefugtem Öffnen Alarm auslösen. Und wenn in heißen Sommern mangels Klimatisierung die Fenster geöffnet sind, hätten Einbrecher freie Bahn, weil sie unbemerkt auf und über die Grundstücke direkt in die Gebäude gelangten. Der eigentliche Knackpunkt sei, dass Maßnahmen gegen Brand, Einbruch oder auch Weglaufen sozusagen „nach und nach“ installiert bzw. erweitert worden seien, wenn z. B. ein Vorfall bekannt wurde. Becker-Christian: „Aus dieser Historie ist sozusagen ein Flickenteppich entstanden. Die einzelnen Systeme erhöhen zwar punktuell die Sicherheit, bleiben aber Insellösungen, die gemessen an dem, was heute Standard ist, Sicherheitslücken aufweisen.“ Hinzu kommt, dass Insellösungen die Instandhaltung und Nachrüstung zunehmend erschweren. Denn jede Anlage folgt eigenen Normen und Standards, Schnittstellen fehlen. Investitionen laufen Gefahr, ihre Wirkung zu verfehlen.

Integrierte Konzepte

Videoüberwachung und vernetzte Sicherheitstechnik im Außenbereich einer Senioren- und Pflegeeinrichtung.

Videosicherheitssysteme bieten Schutz gegen unbefugte Eindringlinge und Sicherheit für Weglauf-Gefährdete. – Foto: Salto Systems GmbH

Denn, so betont der BHE, die Stärke moderner Sicherheitstechnik liegt nicht allein in den einzelnen Modulen, sondern in deren Zusammenspiel. Alle Sicherheitsmaßnahmen sollten in ein Gesamtkonzept eingebunden werden. In einer Alarmzentrale laufen alle Meldungen zusammen und werden von dort an die zuständigen Stellen (z. B. Feuerwehr oder Wachzentrale) übertragen. Die intelligente Vernetzung hebt den Schutz auf ein deutlich höheres Niveau. Im Außenbereich bietet beispielsweise der Einsatz eines Videosicherheitssystems Schutz gegen unbefugte Eindringlinge und Sicherheit für Weglauf-Gefährdete: eine Kamera wird aktiviert, die Beleuchtung eingeschaltet und gleichzeitig stiller Alarm ausgelöst. Es entsteht eine Kette von Reaktionen, die schneller und präziser ist als jede einzelne Maßnahme.

Auch Zutritts-Steuerungssysteme bieten vielfältigen Schutz für Heime. Sie steuern z. B. mittels Ausweis, Transponder oder Smartphone-App den Personenfluss im Gebäude und stellen sicher, dass nur Bewohner, Mitarbeiter oder Dienstleister bestimmte, für sie vorgesehene, Bereiche betreten können. Zudem wird registriert, wer sich wann in welchem Bereich aufgehalten hat. Auch hier sollte integrierten Lösungen der Vorzug gegeben werden – eine Kombination mit Weglaufschutzsystemen, die Bewegungen von desorientierten Bewohnern überwachen und so das Entweichen verwirrter Patienten verhindern, ohne dass deren Bewegungsfreiheit im Objekt selbst eingeschränkt wird.

Auch die Brandschutztechnik lässt sich komplett integrieren. Bei einem Feuer wird nicht nur die Feuerwehr mittels der vorgeschriebenen Direktaufschaltung des Brandalarms alarmiert. Es werden Brandschutztüren automatisch geschlossen, Rauchabzüge aktiviert, Lüftungsanlagen abgeschaltet und die Bewohner über ein ebenfalls angeschlossenes Fluchtwegleitsystem mit Sprachalarmanlage sicher ins Freie geleitet.

„Im aktuellen Status quo erreichen manche Einrichtungen nicht einmal das Sicherheitsniveau eines durchschnittlich geschützten Privathauses“, so Experte Becker-Christian. Standardisierte, modular aufgebaute Systeme lassen sich leichter erweitern, vermeiden doppelte Strukturen und sind auf lange Sicht kostengünstiger. Häufig ließen sich aber auch bestehende „autarke“ Anlagen in eine vernetzte Sicherheitsarchitektur überführen.

Qualifizierte Fachbetriebe

Die Planung und Umsetzung von Sicherheitstechnik einschließlich der vorgelagerten Risiko- und Schwachstellenanalyse gehören nicht zu den klassischen Aufgaben des Gebäudemanagements. Sie bedarf externer Unterstützung durch Fachfirmen für Sicherheitstechnik. Laut DIN VDE 0833-1 dürfen Gefahrenmeldeanlagen (GMA) nur durch sogenannte „Elektrofachkräfte GMA“ geplant, errichtet, erweitert und geändert werden. Gleiches gilt für die Instandhaltung. Bei der Auswahl eines Sicherheitsanbieters sollte daher besonderes Augenmerk auf die Kompetenz und Qualifikation der Mitarbeiter gelegt werden. Hilfreich bei der Suche nach einer Fachfirma sind entsprechende Zertifikate, z. B. vom BHE. Sicherheitstechnik ist ein wachsender Markt, von dem sich auch unseriöse Anbieter „eine Scheibe abzuschneiden“ versuchen. Ausdrücklich zu warnen ist vor angeblich günstiger Technik „von der Stange“. Bei dieser bleiben die individuellen Anforderungen einer Einrichtung meistens unberücksichtigt.

Eine Liste qualifizierter Fachbetriebe veröffentlicht der BHE unter www.bhe.de/fachfirmen-sicherheitstechnik.

Dieser Artikel ist in der Ausgabe 01/2026 erschienen.

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