KDA-Quartiershäuser:
Die 5. Generation der Alten- und Pflegeheime
Warum wir sie brauchen!

Ein Plädoyer von Dr. Peter Michell-Auli, KDA-Geschäftsführer

In der Altenpflege sind wesentliche Veränderungen notwendig. Zum einen müssen die Strukturen vor Ort durch Quartiersentwicklung so ausgebaut werden, dass Menschen auch mit steigendem Hilfe- und Pflegebedarf länger zu Hause bleiben können. Zum anderen müssen Betreuung und Pflege die Wünsche und Bedürfnisse von Pflegebedürftigen zum zentralen Ausgangspunkt ihrer Arbeit machen. Die KDA-Quartiershäuser leisten an dieser Stelle einen wesentlichen und innovativen Beitrag.

Die KDA-Generationenabfolge des Altenwohnbaus

1. Generation 
Anstaltstyp (Nachkriegszeit, Mehrbettzimmer, minimale Ausstattung, z. B. Sanitäreinrichtungen)

2. Generation 
Altenkrankenhaus (60er bis 70er Jahre, eher Zweibettzimmer, verbesserte Ausstattung, z. T. Bäderabteilungen, eigene Physiotherapie)

3. Generation
Altenwohnhaus, Prototyp in Haltern (80er bis 90er Jahre, Orientierung am Wohngruppenkonzept, allmählich mehr Einzelzimmer)

4. Generation
Stationäre Hausgemeinschaft (um 2000, Loslösung von zentralen Versorgungseinheiten wie Großküche und Wäscherei, stattdessen Leben und Kochen in Wohngruppe, fast nur Einzelzimmer)

5. Generation
KDA-Quartiershaus (ab 2010, basiert auf drei Grundprinzipien: das Leben in Privatheit, das Leben in Gemeinschaft und das Leben in der Öffentlichkeit)

Die KDA-Quartiershäuser sind eine konsequente Weiterentwicklung und Bestätigung der 4. Generation – der KDA-Hausgemeinschaften. Hausgemeinschaften sind dem Lebensprinzip der Normalität verpflichtet und setzen dieses durch eine Wohnküche, familienähnliche Strukturen und Einzelzimmer um. Erste Evaluationen belegen, dass das Konzept bereits erfolgreich in der Praxis umgesetzt wird (Strunk-Richter, Sowinski 2011) und sich besonders gut für die Begleitung von Menschen mit Demenz eignet. Bei der neuen und 5. Generation von Pflegeheimen – den sogenannten KDA-Quartiershäusern – bildet das Normalitätsprinzip nach wie vor das Grundgerüst und wird als „Leben in Gemeinschaft“ beschrieben. Der Leitgedanke der Normalität wurde für das Konzept der KDA-Quartiershäuser noch weiter gedacht und um die Prinzipien „Leben in Privatheit“ und „Leben in der Öffentlichkeit“ ergänzt.
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Durch das Prinzip „Leben in Privatheit“ soll der Rückzugsraum jedes Individuums gestärkt werden, für sich und sein privates Umfeld. Es geht um die Freiheit der Wahl bezüglich der persönlichen Interaktion. Jeder Bewohner und jede Bewohnerin bestimmen selbst, wann sie die Gemeinschaft suchen oder einen Rückzugsraum brauchen. Gerade bei Wohnformen, die ein Leben in der Gemeinschaft sehr betonen, kann die Gefahr bestehen, diese Privatheit zu vernachlässigen. Zukünftige Generationen von BewohnerInnen und auch schon die heutige Generation der Angehörigen werden dies verstärkt einfordern.

Neben konzeptionellen Ansätzen zur Umsetzung des Privatheit-Prinzips erfolgt hier auch die einzige architektonische Änderung im Vergleich zur 4. Generation: Die Zimmer sollen größer werden und eine kleine Einbauküche enthalten. Hier geht es auch darum, dass die BewohnerInnen mit ihren Angehörigen oder Freunden tradierte Verhaltensweisen in der „eigenen Häuslichkeit“ fortführen können, indem zum Beispiel Kaffee gekocht oder eine Suppe aufgewärmt und gemeinsam gegessen werden kann.
Die Privatheit ist ein Grundrecht und die Grundlage für eine möglichst hohe Lebensqualität. Denn eine Kultur, die die Privatsphäre der BewohnerInnen respektiert, legt die Basis dafür, dass auch die Wunsch- und Wahlrechte und damit das Recht auf Selbstbestimmung respektiert werden. Die Unterstützung dieser Autonomie muss das primäre Ziel der Pflege sein. Die Bausteine konzeptioneller und architektonischer Art, die das Prinzip „Leben in Privatheit“ sichern, sollen auch dazu führen, eine notwendige Haltungsänderung bei den Mitarbeitenden herbeizuführen.


Der zweite neue Grundsatz „Leben in der Öffentlichkeit“ führt ebenfalls zu einer besseren Lebensqualität der BewohnerInnen, indem die KDA-Quartiershäuser zu einer Institution des Gemeinwesens werden und einen wesentlichen Beitrag zur Entwicklung der Strukturen vor Ort und dem zugrundeliegenden Ansatz der Quartiersentwicklung leisten. Faktisch tragen sie durch den sozialraumorientierten Versorgungsansatz (siehe hierzu auch Artikel Seite xx) mit dazu bei, dass Menschen mit Hilfe- und Pflegebedarf länger zu Hause bleiben können. Ohne die flächendeckende Entwicklung der Strukturen vor Ort ist der demografische Wandel finanziell nicht zu bewältigen und birgt die Gefahr, dass zu Lösungen gegriffen werden muss, die nicht die Bedarfe der Menschen abbilden. Jetzt müssen entsprechende Weichen gestellt werden![[wysiwyg_imageupload:388:]]

Aufgrund der Bedeutsamkeit beider Prinzipien ist das „Ausrufen“ einer neuen Generation gerechtfertigt. Bei der Konzeption einer neuen Generation muss immer auch geprüft werden, ob damit die Bedarfe der Menschen zumindest für die nächsten zehn bis 15 Jahre befriedigt werden können. Erfolgt etwa eine flächendeckende Quartiersentwicklung, könnte eine gegebenenfalls modifizierte KDA-Pflegeoase zur 6. Generation werden. Dieser Weg ist aber noch sehr lang. Und natürlich gilt für die 5. Generation, was in der Umsetzung auch bei der 4. Generation erfolgt ist: Sie kann prinzipiell auch ambulant betrieben werden. Hier muss weiter daran gearbeitet werden, dass die Leistungen der Pflegeversicherung für eine ambulante wie stationäre Versorgung gleich hoch sind.

Kuratorium Deutsche Alterhilfe veröffentlicht das Buch „Die fünfte Generation: KDA-Quartiershäuser – Ansätze zur Neuausrichtung von Alten- und Pflegeheimen“. Auch Einrichtungen, die keine KDA-Quartiershäuser sind, können daraus einzelne Aspekte übernehmen.

Das Buch kann beim Kuratorium Deutsche Altershilfe unter www.kda.de (Shop) und versand@kda.de für 29,90 Euro bestellt werden. ISBN 978-3-940054-27-2

Workshop zum Thema KDA-Quartiershäuser

Die Autoren bieten darüber hinaus am 20. September 2012 in Köln zu den konzeptionellen Grundlagen der KDA-Quartiershäuser einen Workshop im Rahmen der KDA-Fortbildungen an. Weitere Informationen finden Sie unter: www.kda.de/fortbildungen-2012.html

Kurzinfo

Kuratorium Deutsche Altershilfe Wilhelmine-Lübke-Stiftung e.V.

+49 221 931847-0

http://www.kda.de/

Das KDA hat zum Ziel, dass Selbstbestimmung für ältere Menschen zu einem gelebten Grundrecht in dieser Gesellschaft wird und dass hierfür die nötigen Rahmenbedingungen geschaffen werden. Dies bildet die Basis für eine hohe Lebensqualität im Alter.

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