Glutenfreie Ernährung im Alter

Glücklich alt werden heißt, sich Lebensfreude und Lebensqualität bis ins hohe Alter zu bewahren. Um dies zu erreichen, gehört sowohl der Genuss von leckerem Essen und Trinken, als auch der Erhalt der Gesundheit dazu. Jedoch ist eine ausgewogene, bedarfsdeckende Ernährung im Alter oft mit Schwierigkeiten verbunden. Durch eine Zöliakie kommen noch weitere Punkte hinzu, auf die auch im Seniorenheim geachtet werden muss. Die Zöliakie stellt alle Betroffenen und ihr Umfeld zu Beginn vor viele neue Herausforderungen. Auch das Personal in der Pflegeeinrichtung sollte den Umgang mit der Erkrankung lernen. Vor allem muss das Küchenpersonal geschult werden, auf was bei der glutenfeien Zubereitung geachtet werden muss und wo Kontaminationsgefahren lauern. Doch auch das restliche Personal, vom Einkauf bis zur Pflege, sollte über die Erkrankung Bescheid wissen. Umfassende Informationen gibt es bei der Deutschen Zöliakie Gesellschaft (www.dzg-online.de). Ist das Seniorenheim mit der Versorgung von Betroffenen überfordert, kann es dazu kommen, dass betroffene Senioren nicht bedarfsgerecht ernährt werden und somit in einen Nährstoffmangel geraten, welcher zu Unterernährung führen kann. Um dies zu vermeiden, ist eine ausgewogene Ernährung mit bedarfsdeckendem Nährstoffgehalt wichtig. Doch wie hoch ist der Nährstoff- und Energiebedarf von Senioren?

Mit zunehmendem Alter sinkt der tägliche Energiebedarf des Körpers immer weiter ab. Für Männer sind meist ca. 1800 Kilokalorien pro Tag ausreichend, Frauen benötigen sogar nur ca. 1400 Kilokalorien. Trotz sinkendem Kalorienbedarf besteht jedoch ein hoher Bedarf an Vitaminen, Mineralstoffen und Eiweiß, weshalb die Auswahl der Lebensmittel für eine ausreichende Versorgung von großer Bedeutung ist. Zöliakiebetroffene Senioren sollten sich also kaloriengerecht, nährstoffreich und natürlich glutenfrei ernähren. Diese Anforderungen können durch reichlich Gemüse und Obst, Kartoffeln, glutenfreie Getreidesorten wie Reis, Mais, Hirse, Quinoa, Amaranth und Buchweizen, fettarme Milch und Milchprodukte sowie mageres Fleisch und Fisch erfüllt werden. Auch das ausreichende Trinken stellt bei vielen Senioren ein Problem dar. Im Alter lässt häufig das Durstgefühl nach – in der Folge wird zu wenig getrunken. Oft liegt dann eine Dehydration, also eine Unterversorgung des Körpers mit Wasser, vor. Genug zu trinken ist jedoch sehr wichtig für den Menschen – gerade im Alter. Wassermangel kann zu Müdigkeit, Blutdruckproblemen, Verstopfung, Störungen der Niere, sowie zu Schwäche und Schwindel bis hin zur Verwirrtheit führen. Um dies zu verhindern, sollten 1,5 bis 2 Liter Flüssigkeit über den Tag verteilt getrunken werden.

Tipp: Um die getrunkene Menge im Auge zu behalten, kann ein Trinktagebuch geführt werden, oder morgens die zu trinkende Menge an gut sichtbarer Stelle platziert werden. Trinkplan (Beispiel):

Morgens

1 Tasse Kräutertee

1 Tasse Milchkaffee

200 ml

200 ml

Vormittags

2 Gläser Mineralwasser

400 ml

Mittags

2 Gläser Fruchtsaftschorle

1 Glas Mineralwasser

400 ml

100 ml

Nachmittags

1 Tasse Früchtetee

200 ml

Abends

1 Glas Mineralwasser

2 Gläser Fruchtsaftschorle

100 ml

400 ml

Gesamtmenge

2000 ml

Im Alter lässt auch die Empfindlichkeit der Sinne nach. Das Riechen, Schmecken, Tasten und Hören. Oft werden Speisen in der Folge als nicht mehr so wohlschmeckend wie früher empfunden. Durch die geschickte Verwendung von Kräutern und Gewürzen, sowie durch dekoratives Anrichten der Speisen, kann der Appetit wieder geweckt werden. Ein weiterer Tipp ist, glutenfreies Brot vor dem Verzehr kurz zu toasten. Zum einen macht es das schmackhafter und zum anderen werden dadurch Röstaromen und ein Duft nach frisch gebackenem Brot freigesetzt, was zusätzlich den Appetit anregt.

Eine mögliche Begleiterkrankung der Zöliakie, welche mit steigendem Alter gehäuft auftritt, ist die Osteoporose, eine Erkrankung, die mit einer verminderten Knochendichte und einem erhöhten Frakturrisiko einhergeht. Diese entsteht durch einen Mangel an dem Mineralstoff Calcium, welcher für die Stabilität der Knochen von großer Bedeutung ist. Nach dem 35. Lebensjahr überwiegen die Abbauvorgänge im Knochen, wodurch die Knochenmasse allmählich abnimmt. Um diesen Prozess zu verlangsamen, bzw. die Knochendichte konstant zu halten, wird eine ausreichende Versorgung von Calcium in Kombination mit Vitamin D empfohlen. Calcium ist hauptsächlich in Milch, Milchprodukten und Käse enthalten, außerdem aber auch in Nüssen, Kräutern und grünem Gemüse. Auch ein calciumreiches Mineralwasser kann zur Versorgung beitragen. Vitamin D wird hingegen vorwiegend in der Haut durch Sonneneinstrahlung gebildet, weshalb die Gehalte in Lebensmitteln für die Versorgung hier von untergeordneter Bedeutung sind. Das Gesicht und die Unterarme täglich für 10 Minuten in die Sonne zu strecken reicht schon aus, um den Tagesbedarf zu decken. Im Winter können, durch die verminderte Sonnenexposition, jedoch auch Vitamin D-reiche Nahrungsmittel an Wichtigkeit gewinnen. Das Vitamin ist beispielsweise in Fleisch, Fisch, Eiern, Milch und Milchprodukten, sowie in Pilzen enthalten. Gerichte hieraus können die Versorgung optimieren. Wichtig ist natürlich auch hier stets die sichere glutenfreie Ernährung, damit der Darm gesund bleibt und die Nährstoffe aufgenommen werden können.

Eine Auflistung von Seniorenheimen, die glutenfreie Kost anbieten, gibt es bei der Deutschen Zöliakie Gesellschaft (DZG). Ebenso können interessierte Pflegeeinrichtungen hier Informationen zu Zöliakie und zur glutenfreien Ernährung erhalten. Seniorenheime, die in Zukunft glutenfreie Verpflegung anbieten möchten, können in die Auflistung der DZG aufgenommen werden, um den Betroffenen die Wahl der Einrichtung zu erleichtern (Mail an info@dzg-online.de). Somit können auch Senioren mit Zöliakie ihren Lebensabend glücklich, zufrieden und ohne Sorgen um die glutenfreie Ernährung verbringen.

 

Weiterführende Literatur:

  • Verbraucherzentrale Bundesverband e.V.: „Essen im Alter“

  • Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft: „Ernährung im Alter“

  • Deutsche Gesellschaft für Ernährung: „Essen und Trinken im Alter“

 

  • Bianca Maurer, Ernährungsmanagerin Diätetik (B. Sc.)

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