von Philip Gutschke

Eine Pflegeeinrichtung steht nie still. Wärme und Warmwasser müssen rund um die

Uhr verfügbar sein, die Großküche produziert täglich hunderte Mahlzeiten, die Wäscherei läuft im Dauerbetrieb, dazu kommen Lüftung, Aufzüge, IT und Beleuchtung. Energie ist damit ein dauerhafter Kostenblock, der die Wirtschaftlichkeit einer Einrichtung unmittelbar prägt. Wer ihn im Blick behält, verschafft sich Spielraum genau dort, wo er gebraucht wird: in der Pflege.

Energie läuft rund um die Uhr und lässt sich kaum abschalten

Anders als viele Dienstleistungsbetriebe kennt ein Pflegeheim keinen Feierabend. Der 24-Stunden-Betrieb sorgt für eine hohe, gleichmäßige Grundlast, die sich kaum kurzfristig senken lässt. Pflegebedürftige haben einen erhöhten Wärmebedarf, Hygienevorgaben verlangen konstante Temperaturen und der Komfort der Bewohnenden hat Vorrang. Einsparungen entstehen deshalb selten durch reines Verhalten, sondern über Technik, Steuerung und Effizienz.

Wie hoch die Stromkosten tatsächlich ausfallen, unterscheidet sich von Einrichtung zu Einrichtung erheblich. Für kleine und mittlere Unternehmen fehlte lange eine belastbare Vergleichsbasis. Der Gewerbestrom-Report der wattline GmbH schließt diese Lücke und wertet Strompreise und Verbräuche tausender Betriebe nach Bundesland und Branche aus. Für das Sozial- und Gesundheitswesen weist er einen mittleren Stromverbrauch von rund 129.000 kWh im Jahr aus. Das ist ein Beleg dafür, wie energieintensiv der Betrieb ist.

Wie stark der Verbrauch dabei vom Standort abhängt, zeigt der Branchenvergleich besonders deutlich. Betriebe im Spitzenreiter Mecklenburg-Vorpommern verbrauchen rund das Sechseinhalbfache dessen, was Einrichtungen in Hessen aufwenden. Größe, Baualter und Ausstattung erklären einen Teil davon. Der Rest zeigt, dass schon der reine Verbrauch stark vom einzelnen Gebäude abhängt.

Warum der Standort über die Stromrechnung mitentscheidet

Regionale Unterschiede der Strompreise für kleine und mittlere Unternehmen im Sozial- und Gesundheitswesen. Je nach Bundesland weichen die Energiepreise deutlich vom Bundesdurchschnitt ab. Grafik: wattline Gewerbestrom-Report 2026.

Strompreise von KMU im Sozial- und Gesundheitswesen im Vergleich – Grafik: wattline GmbH

Auch beim Preis fällt ein Befund des Reports besonders ins Gewicht: Zwischen dem günstigsten und dem teuersten Bundesland liegen bei den reinen Energiepreisen rund 20 %. Zwei vergleichbare Häuser zahlen also je nach Region unterschiedliche Preise, ohne dass die Einrichtung an ihrem Betrieb etwas ändern könnte. Für die Wirtschaftlichkeitsrechnung bedeutet das: Wer mit einem bundesweiten Durchschnittspreis plant, rechnet an der Realität vorbei.

Konkret heißt das für die Pflegebranche: Am günstigsten liegen Einrichtungen in Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen mit rund 8 % unter dem Bundesschnitt, am teuersten wird Strom in Brandenburg und Baden-Württemberg. Ein Gefälle, das sich nur über die Beschaffung beeinflussen lässt, nicht über den Betrieb.

Wärme, Küche, Wäscherei: wo die Kosten wirklich entstehen

Den größten Anteil am Verbrauch tragen in den meisten Häusern Heizung und Warmwasser. Hinzu kommen die energieintensiven Prozesse in Großküche und Wäscherei sowie die wachsende Grundlast aus Lüftung, Kühlung und Digitalisierung. Ob sich diese Kosten dämpfen lassen, hängt vor allem von Betriebszeiten, Gerätewirkungsgraden, Lastmanagement und Wärmerückgewinnung ab.

Gerade bei der Wärme verschiebt sich die Investitionslogik. Läuft ein alter Heizkessel noch, darf er zunächst weiterbetrieben werden. Steht jedoch eine Erneuerung an, greifen die Vorgaben des Gebäudeenergiegesetzes, das neue Heizungen schrittweise an einen wachsenden Anteil erneuerbarer Energien bindet. Ob Wärmepumpe, Wärmenetz, Hybridlösung oder Blockheizkraftwerk am besten passt, entscheidet sich standortabhängig nach Gebäudehülle, Anschlussleistung und Vollbenutzungsdauer.

Regulatorik und Förderung treiben die Investitionen

Neben dem Gebäudeenergiegesetz gewinnt das Energieeffizienzgesetz an Bedeutung. Ab einem bestimmten Jahresverbrauch müssen Unternehmen ihre Abwärme melden, bei höherem Verbrauch ein Energiemanagementsystem einführen. Größere Träger mit umfangreichem Gebäudebestand sollten frühzeitig prüfen, ob sie in diese Pflichten fallen.

Die Investitionen, die daraus folgen, lassen sich abfedern. Für energetische Sanierung und effiziente Nichtwohngebäude ist die Bundesförderung für effiziente Gebäude der zentrale Rahmen. Sie schließt einen Teil der Finanzierungslücke, die entsteht, weil die energetischen Anforderungen steigen, ihre Mehrkosten aber anderswo kaum ausgeglichen werden.

Warum Energiekosten selten automatisch im Pflegesatz landen

Genau hier liegt eine betriebswirtschaftliche Besonderheit der Branche. Pflegesätze sollen die Aufwendungen bei wirtschaftlicher Betriebsführung decken, werden aber getrennt von Unterkunft und Verpflegung verhandelt. Energiekosten landen in der Praxis in den allgemeinen Sachkosten. Einen automatischen Energie-Index mit 1:1-Weitergabe gibt es nicht.

Steigende Preise müssen deshalb begründet, plausibilisiert und rechtzeitig eingebracht werden. Wie sich Energiekosten sauber in die Kalkulation von Pflegesätzen einbringen lassen, entscheidet über den Verhandlungserfolg. Die befristeten Energie-Ergänzungshilfen sind ausgelaufen, eine dauerhafte Entlastung von außen ist nicht in Sicht. Umso mehr hängt das Ergebnis vom eigenen Energiemanagement ab.

Energie als planbarer Faktor

Energiekosten sind für Pflegeeinrichtungen ein strategischer Standort- und Investitionsfaktor, der über Jahre wirkt. Wer seinen Verbrauch kennt, seine Preise regelmäßig vergleicht und die Beschaffung von Technik aktiv steuert, macht die Kosten planbar und gewinnt Spielraum für das, worauf es wirklich ankommt: eine gute Pflege.

Kurzinfo

über den Autor: Philip Gutschke

Philip Gutschke ist stellvertretender Geschäftsführer der wattline GmbH und verantwortet den Bereich Energiebeschaffung und Unternehmensentwicklung. Seit über 15 Jahren im Energiesektor tätig, steuert er die strategische Beschaffung der Energie-Einkaufsgemeinschaft und bringt deren Interessen in den Dialog mit Politik und Branche ein.

Philip Gutschke, Experte für Energie- und Beschaffungsmanagement bei der wattline GmbH. Foto: wattline GmbH.

Foto: wattline GmbH

Dieser Artikel ist in der Ausgabe 02/2026 erschienen.

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