von Enrico Meier (Direktor Geschäftsbereich Markt der SozialBank AG)
Wer heute Pflegeheime oder Wohnanlagen für Senioren plant, muss nicht nur an Komfort und Barrierefreiheit denken, sondern auch an Energieeffizienz und den Einsatz erneuerbarer Energien. Diese Faktoren senken langfristig Betriebskosten, schonen Ressourcen und leisten einen wirksamen Beitrag zum Klimaschutz. Das KfW-Programm „Klimafreundlicher Neubau – Wohngebäude“ unterstützt Bauträger und soziale Organisationen dabei, diese Anforderungen umzusetzen und so Wohnraum zu schaffen, der ökologisch und sozial überzeugt.
Was wird gefördert?
Mit dem Programm „Klimafreundlicher Neubau – Wohngebäude“ fördert die KfW den Neubau und den Ersterwerb von Wohngebäuden, die besonders energieeffizient und klimafreundlich sind. Voraussetzungen sind:
- Effizienzhaus-Stufe 40 oder 55:
Das Gebäude muss den hohen energetischen Standard „Effizienzhaus-Stufe 40“ erreichen. Ein Effizienzhaus 40 benötigt nur 40 % der Primärenergie eines Referenzgebäudes nach GEG. Es zeichnet sich durch hervorragende Wärmedämmung, hocheffiziente Anlagentechnik und hohe Luftdichtheit aus. Seit Dezember 2025 gilt das Programm befristet auch für das „Effizienzhaus 55“, also für Gebäude, die 55 % der Primärenergie des Referenzgebäudes benötigen. Die Dämmung und Anlagentechnik sind hierbei ebenfalls effizient, aber weniger anspruchsvoll als beim Effizienzhaus 40. Die Investitionskosten sind in der Regel niedriger, die Energieeinsparung aber auch geringer. - Heizung ohne fossile Energieträger:
Die Wärmeversorgung erfolgt ausschließlich über erneuerbare Energien. - Begrenzte Treibhausgasemissionen über den gesamten Lebenszyklus.
Wer zusätzlich das Qualitätssiegel „Nachhaltiges Gebäude“ (QNG) erwirbt, kann von einer höheren Förderung profitieren.
Barrierefreiheit und soziale Teilhabe
Das Programm eignet sich besonders für Projekte, die barrierefreien Wohnraum und inklusive Wohnformen schaffen. Bei der Planung sollten stufenlose Zugänge, breite Türen, barrierefreie Bäder und Küchen sowie Gemeinschaftsflächen, die Begegnungen fördern und soziale Teilhabe ermöglichen, berücksichtigt werden.
Förderkonditionen im Überblick
Förderfähig sind sämtliche Bauwerkskosten, die mit der Errichtung oder dem Ersterwerb des Gebäudes in Zusammenhang stehen, Fachplanungs- und Baubegleitungsleistungen, Lebenszyklusanalysen sowie Kosten für die Nachhaltigkeitszertifizierung. Die Förderung erfolgt in Form eines zinsvergünstigten Darlehens. Der Zinssatz orientiert sich an der Entwicklung des Kapitalmarktes und der Bonität des Kreditnehmers und enthält eine Zinsverbilligung aus Bundesmitteln.
Der Kreditbetrag beträgt bis zu 100.000 Euro pro Wohneinheit und bis zu 150.000 Euro pro Wohneinheit bei zusätzlichem QNG-Zertifikat. In Wohn-, Alten- und Pflegeheimen gelten die Appartements beziehungsweise Wohnschlafräume der Bewohnenden als Wohneinheiten.
In 5 Schritten zur Förderung
- Energieeffizienz-Experten beauftragen, die die erforderliche Bestätigung zum Antrag erstellen.
- Förderkredit vor Baubeginn oder Erwerb der Immobilie über die Hausbank beantragen.
- Nach der Kreditzusage können Bauverträge abgeschlossen und Arbeiten begonnen werden.
- Auszahlung des Förderkredits nach Vereinbarung bzw. Baufortschritt.
- Nach Abschluss des Vorhabens die Bestätigung nach Durchführung einreichen.
Die Kreditlaufzeit kann zwischen 4 und 35 Jahren liegen bei einer Zinsbindung von bis zu 10 Jahren. Für den Kredit sind bankübliche Sicherheiten zu stellen. Form und Umfang der Besicherung vereinbaren die Antragstellenden im Rahmen der Kreditverhandlungen mit dem Finanzierungspartner.
Für alle Förderkreditprogramme gilt: Die Antragstellung erfolgt vor Baubeginn über die Hausbank. Der Antrag muss vor Beginn des Vorhabens gestellt werden. Da die Haushaltsmittel begrenzt sind und die Nachfrage erfahrungsgemäß hoch ist, empfiehlt sich eine frühzeitige Planung. Für die Förderstufe mit QNG ist die Einbindung von Nachhaltigkeitsexperten bereits in der Planungsphase erforderlich.
Kombinationsmöglichkeiten für einen idealen Finanzierungsmix
Das Programm lässt sich mit klassischen Bankdarlehen sowie anderen Bundes- und Landesförderprogrammen kombinieren, um eine passgenaue Finanzierung zu gestalten. So können beispielsweise KfW-Programme für energieeffiziente Sanierungen oder zum Ausbau der sozialen Infrastruktur ergänzend genutzt werden. Außerdem unterstützt beispielsweise die Landwirtschaftliche Rentenbank mit ihrem Programm „Leben auf dem Land“ Infrastrukturmaßnahmen, zu denen auch Seniorenwohnen und Pflegeheime zählen, in Orten und Landkreisen bis 50.000 Einwohner. Für den Bau oder Ersterwerb von Seniorenwohnungen eignet sich zudem das KfW-Programm „Klimafreundlicher Neubau im Niedrigpreissegment“ (KNN-WG, 299), sofern sie flächeneffizient geplant sind.
Warum jetzt handeln?
Nachhaltige Seniorenimmobilien sind ein Gewinn für alle: Sie senken die Betriebskosten, erhöhen die Lebensqualität und leisten einen wirksamen Beitrag zum Klimaschutz. Mit der KfW-Förderung wird der Weg zu klimafreundlichem, barrierefreiem Wohnraum einfacher und wirtschaftlich attraktiv.
Weitere Informationen finden Sie unter: www.kfw.de/298
Kurzinfo
Enrico Meier
SozialBank AG
Konrad-Adenauer-Ufer 85, 50668 Köln
Telefon: 0221 97356-268
E-Mail: e.meier@sozialbank.de
www.sozialbank.de/finanzierung/foerdermittel-beratung
Dieser Artikel ist in der Ausgabe 01/2026 erschienen.







