von Markus Loh (Stiftung viamedica)

Alten- und Pflegeheime stehen heute vor der großen Herausforderung, hohe Qualität und beste Pflege mit wirtschaftlicher Zukunftsperspektive zu verbinden. Die neutrale und unabhängige Stiftung viamedica, um den Hygieniker und Umweltpreisträger Prof. Dr. Franz Daschner, hat sich vor einigen Jahren die Frage gestellt, wie man die Pflegeeinrichtungen in dieser Situation unterstützen kann. Die Antwort ist ein Ansatz, mit dem die Einrichtungen in anderen Bereichen entlastet werden und so den Rücken für die Kernbereiche und für drängende Probleme freigehalten bekommen. Das Ziel ist es, Alten- und Pflegeheimen dabei zu helfen, eine bessere Energieeffizienz zu erreichen. So sollen mehr Mittel für Qualität und Investitionen zur Verfügung stehen.

Das Projekt viamedica PFLEGE+, wurde zwischen 2015 und 2017 als Pilotprojekt in Hessen umgesetzt. Es zielte darauf ab, durch optimale Beratung, individuelle und hocheffiziente Konzepte für die Wärme- und Stromeigenversorgung für Einrichtungen der Altenpflege zu entwickeln. Bei der Projektentwicklung wurden die Kosten der stationären Pflege genau betrachtet. Die Positionen Unterkunft, Verpflegung und Investitionskosten können im Wettbewerb der Pflegeheime, durch ihren Einfluss auf die vom Bewohner zu zahlenden Eigenanteile, wesentliche Faktoren für die Belegung von Einrichtungen sein. Nur mit der optimalen Auslastung von Einrichtungen werden die Mittel für den hochwertigen und anspruchsvollen Betrieb ausreichend generiert. Daraus folgt, dass Energieeffizienz einen Beitrag zu der Aufrechterhaltung und für das Optimieren der Qualität von Einrichtungen beitragen kann. So lassen sich die generierten Ersparnisse für leistungsgerechte Gehälter verwenden.

Durch die Optimierung sollten Kosten eingespart werden, ein Wettbewerbsvorteil generiert („Hotelkosten“) und, durch die technische Ausstattung, die Immobilie aufgewertet werden. Durch den reibungslosen Betrieb der technischen Anlagen und durch den professionellen Support kommt es in der Einrichtung zu einer zeitlichen Entlastung des Personals.

Die Einrichtungen legen mit der Anschaffung von moderner Heiz- und Energietechnik im Idealfall einen Grundstein für eine lokale Wärmeinsel und werden somit zu Leuchttürmen für eine hocheffiziente Infrastruktur. Das Stichwort hier ist die hocheffiziente dezentrale Energieversorgung. Hier können Einrichtungen der Pflege und des Gesundheitswesens mit einem Engagement eventuell sogar neue Geschäftsfelder generieren. Die Einsparungen liegen nicht nur bei den Betriebskosten: Die eingesparten Energiekosten bedeuten auch vermiedenes CO2, womit die Einrichtungen einen wichtigen Beitrag für den Klimaschutz leisten. Dieses Engagement steht auch als Signal in Richtung Öffentlichkeit nach dem Motto „Tut Gutes und redet darüber“. So können positive Nachrichten aus den  Pflegeeinrichtungen generiert werden.

Wie sieht nun so eine Anlage aus, was muss dafür verändert werden? Hier kann keine allgemeine Aussage getroffen werden. Eine individuelle Betrachtung der energetischen Situation einer Einrichtung ist notwendig, um sinnvolle und wirtschaftlich abbildbare Maßnahmen zu entwickeln. Ziel ist es, dass die Pflegeeinrichtung hocheffizient und sicher Wärme und Strom für den Eigenbedarf erzeugen kann. Diese Analyse war im Projekt viamedica PFLEGE+ wesentlich. Da wir wissen, dass die Einrichtungen häufig über kein eigenes technisches Personal verfügen, haben wir im Projekt, wenn gewünscht, die komplette Umsetzung der Maßnahmen, einschließlich Finanzierung sowie Betriebsführung und Wartung der Anlagen, als „Rundum-sorglos-Paket“ angeboten.

Wesentlicher Bestandteil des Projekts ist die Einbindung hochmoderner Blockheizkraftwerke, zur Erzeugung von Wärme und Strom. Möglich sind Konzepte, die ohne Investitionen auskommen und langfristig konstante Energie- und Betriebskosten garantieren.

In der Praxis, als Beispiel eine Pflegeeinrichtung mit 40 Betten, ein Bestandsgebäude. Nach der Analyse des Ist-Zustands der energetischen Situation wurden folgende Maßnahmen identifiziert: Austausch des Brenners, Umbau der Warmwasserbereitung, Austausch der Thermostatventile sowie ein hydraulischer Abgleich. Mit der Umsetzung der Maßnahmen konnten Einsparungen von 30 % erzielt werden.

Ein weiteres Beispiel ist eine Einrichtung mit zwei Häusern und ca. 400 Pflegeplätzen. Nach der energetischen Analyse wurden die Bestandsanlagen auf zwei Brennwertkessel reduziert, die Hydraulik optimiert und ein Blockheizkraftwerk (BHKW) eingebaut. Die hocheffiziente Modernisierung der Heiztechnik sorgt für eine sichere Versorgung mit Wärme und Strom und erzielt Einsparungen von ca. 30 % im Vergleich zu den vorherigen Anlagen.

Mit der Modernisierung der Wärme- und Energietechnik wird es für Pflegeeinrichtungen möglich, das Potenzial der Wärme auszuschöpfen. Moderne Anlagen, wie zum Beispiel Blockheizkraftwerke in Kombination mit durchdachten und wirtschaftlich sinnvollen Energiekonzepten, können einen wichtigen Beitrag für einen  sicheren wirtschaftlichen Betrieb von Pflegeeinrichtungen leisten. Die Sanierungen sparen Betriebskosten ein, leisten einen konkreten Beitrag zum Klimaschutz und werten die Immobilie auf. Hier kann die Stiftung viamedica, mit den im Projekt gesammelten Erfahrungen, Einrichtungen unterstützen und bei einer Entscheidungsfindung begleiten.

Mehr Informationen zum Projekt unter www.viamedica-pflegeplus.de.

Der Artikel ist in der Ausgabe 01/2020 zu finden.

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